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Wespenplage: Warum manche Jahre schlimmer sind
Warum es in manchen Sommern von Wespen wimmelt und in anderen kaum, welche zwei Arten dahinterstecken, was im Spätsommer wirklich hilft und was nicht.
Lesezeit etwa 8 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Von den acht heimischen staatenbildenden Wespenarten kommen nur zwei an Kuchen und Grillgut: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Alle anderen, auch die Hornisse, interessieren sich nicht für Ihr Essen.
- Ob ein Jahr zur Wespenplage wird, entscheidet sich im Frühjahr. Jede Königin beginnt allein, und erst nach drei bis vier Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Warme, trockene Wochen lassen viele Völker durchkommen, kalte und nasse Phasen lassen junge Nester scheitern.
- Lästig wird es im Spätsommer, weil die Völker dann ihre volle Stärke von mehreren Tausend Tieren erreichen und die Arbeiterinnen keine Brut mehr versorgen. Sie suchen Zucker für sich selbst, und der steht auf Ihrem Tisch.
- Was hilft: abdecken, Ablenkfütterung fünf bis zehn Meter entfernt, Fallobst aufsammeln, Fliegengitter. Was nicht hilft: Fallen, Sprays am Nest und das Entfernen frei hängender Nester friedlicher Arten.
Eine Wespenplage ist kein Zufall und keine Strafe. Sie entsteht, wenn im Frühjahr viele Königinnen ein Volk gründen konnten und diese Völker im August ihre volle Größe erreichen. Dann schwärmen Tausende Arbeiterinnen ohne Brut aus und suchen Zucker. Welche zwei Arten das sind, warum das Wetter im Mai über den August entscheidet und was am Tisch wirklich hilft, steht hier.
Nur zwei Arten machen die Plage
In Deutschland leben acht staatenbildende Wespenarten. Nur zwei davon fliegen an menschliche Nahrung: die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Das Bayerische Landesamt für Umwelt bringt es auf den Punkt: Zwei bringen alle anderen in Verruf. Die Sächsische Wespe, die Mittlere Wespe, die Rote Wespe, die Waldwespe, die Feldwespen und auch die Hornisse kommen nicht an Kuchen, Eis oder Grillfleisch. Sie jagen Insekten für ihre Brut und decken den eigenen Bedarf an Blüten, Baumsäften und Fallobst.
Die beiden lästigen Arten erkennen Sie weniger am Aussehen als am Nest. Sie bauen in dunklen Hohlräumen und Erdlöchern: im Boden, im Rollladenkasten, in der Dämmung, hinter der Verschalung. Frei hängende Nester an Dachüberständen, in Sträuchern oder auf hellen Dachböden stammen von den friedlichen Arten. Wer so ein Nest entfernen lässt, hat danach genauso viele Wespen am Tisch wie vorher. Auch die Volksgröße verrät die Art: Sehr große Völker mit mehreren Tausend Tieren, die nach Mitte September noch stark fliegen, gehören nach Angaben des Landesamts mit großer Sicherheit zur Deutschen oder Gemeinen Wespe. Beide Arten bringen es auf 4.000 bis 7.000 Tiere je Volk.
Das Jahr eines Wespenvolks
Ein Wespenstaat lebt nur einen Sommer. Im Frühjahr wacht eine begattete Jungkönigin aus dem Vorjahr auf, sucht einen Nistplatz und beginnt allein mit dem Bau. Sie legt die ersten Eier, füttert die Larven mit erbeuteten Insekten und versorgt sich selbst an Blüten und Baumsäften. Nach etwa drei bis vier Wochen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Von da an bauen sie das Nest weiter und pflegen die Brut, die Königin legt nur noch Eier.
Über den Sommer wächst das Volk. Im Spätsommer hat es seine volle Stärke erreicht, und jetzt legt die Königin die Eier, aus denen Männchen und Jungköniginnen werden. Diese Geschlechtstiere brauchen viel Futter. Gleichzeitig gibt es im Nest immer weniger Larven. Das verändert den Speiseplan der Arbeiterinnen: Die Larven scheiden Zuckertröpfchen aus, von denen sich die erwachsenen Tiere ernähren. Fehlen die Larven, fehlt der Zucker, und die Arbeiterinnen suchen ihn draußen. Deshalb sitzen sie im August und September auf Pflaumenkuchen, in Limonadengläsern und auf Eis, während sie im Juli noch das Grillfleisch für die Brut zerlegt haben.
Ab Mitte September geht es bergab. Die Arbeiterinnen sterben, es schlüpfen keine neuen mehr, und die Zahl der Tiere sinkt stetig. Im Herbst löst sich der Staat auf: Die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen sterben. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern geschützt im Boden, in verlassenen Mäusenestern oder in morschem Holz. Das alte Nest wird nie wieder bezogen. Bei milder Witterung halten die Deutsche und die Gemeine Wespe bis Mitte November durch, alle anderen Arten sind ab Ende August meist verschwunden.
Warum das Frühjahr über den August entscheidet
Die Plage wird im Mai gemacht. Jede Königin ist in den ersten Wochen auf sich allein gestellt. Sie muss das Nest bauen, Eier legen, jagen und sich selbst versorgen. Fällt sie in dieser Phase aus, weil sie bei Kälte und Dauerregen nicht jagen kann oder ein Fressfeind sie erwischt, gibt es dieses Volk nicht. Kommen dagegen viele Königinnen durch die kritischen Wochen, weil es warm und trocken ist, stehen im August entsprechend viele Völker auf voller Stärke. Ein warmes Frühjahr allein garantiert aber keine Plage. Kühle, nasse Phasen im Juni können junge Nester noch ausbremsen, und ein heißer, trockener Hochsommer verschärft die Lage, weil dann weniger Beuteinsekten fliegen und die Wespen umso stärker auf menschliche Nahrung ausweichen.
Dazu kommt die Wahrnehmung. Nester werden fast immer erst im August entdeckt, wenn der Flugbetrieb am stärksten ist. Dann häufen sich Meldungen und Anfragen, obwohl das Volk schon seit dem Frühjahr in der Nachbarschaft lebt. Wie stark ein Jahr in Ihrer Gegend wirklich ist, zeigt die Lage im Radar: Dort sehen Sie, wie oft Wespen zuletzt gemeldet wurden und ob die Zahl steigt. Jede eigene Sichtung können Sie hier eintragen, und der Schädlingskalender zeigt, in welchem Monat welche Art Saison hat.
Was am Tisch wirklich hilft
Die wirksamen Maßnahmen sind unspektakulär, und sie stammen aus den Empfehlungen des NABU, des Umweltbundesamts und der Landesämter.
- Speisen und Getränke im Freien abdecken, Reste gleich abräumen. Aus Dosen und Flaschen nicht direkt trinken, sondern mit Strohhalm oder aus dem Glas mit Deckel.
- Kindern nach dem Essen Mund und Hände abwischen. Wespen folgen dem Geruch von Saft und Eis.
- Eine Ablenkfütterung aufstellen: eine Schale mit überreifen Weintrauben oder Marmelade etwa fünf bis zehn Meter vom Tisch entfernt, beim Grillen ein Stück Wurst. Die Tiere nehmen die leichtere Quelle. Kein Honig, er lockt Bienen an.
- Ruhig bleiben. Eine Wespe, die neugierig um den Teller fliegt, verschwindet meist von selbst. Heftige Bewegungen und Schlagen lösen Abwehr aus.
- Nicht anpusten. Das Kohlendioxid im Atem gilt im Wespennest als Alarmsignal, das Tier reagiert gereizt.
- Eine Sprühflasche mit Wasser bereithalten. Ein feiner Nebel vertreibt eine einzelne Wespe, ohne sie zu verletzen.
- Fallobst täglich aufsammeln, Mülleimer geschlossen halten, nur ausgespülte Flaschen in den Container werfen. Blattläuse im Griff behalten, ihr Honigtau lockt Wespen.
- Fliegengitter an Fenstern und Türen, damit die Küche wespenfrei bleibt. Hat sich ein Tier ins Zimmer verirrt, zwei Fenster öffnen, die Zugluft leitet es hinaus.
Hornissen in der Nähe sind übrigens kein Nachteil. Ein Hornissenvolk verfüttert nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt bis zu einem halben Kilo Insekten am Tag an seine Brut, darunter Wespen, Bremsen und Fliegen. Wo Hornissen jagen, sind oft weniger Wespen am Tisch.
Was nicht hilft
Wespenfallen mit Saft oder Bier stehen in jedem Baumarkt, und das Umweltbundesamt bewertet sie nüchtern: Sie bringen meist nichts, weil Wespen in Staaten leben und für jedes gefangene Tier Nachschub kommt, solange Nahrung lockt. Dafür fangen die unspezifischen Lockstoffe je nach Standort und Jahreszeit viele andere Insekten, darunter die besonders geschützte Hornisse. Der NABU weist darauf hin, dass die Tiere in der Flüssigkeit qualvoll sterben. Wer trotzdem eine Falle einsetzen will, findet die Regeln und die Grenzen unter Wespenfalle: erlaubt, welche, womit.
Sprays und andere Insektenbekämpfungsmittel am Nest sind die zweite schlechte Idee. Das Landesamt in Bayern rät ausdrücklich davon ab, weil sie Abwehrreaktionen auslösen und die Umwelt belasten. Bei einem Nest einer geschützten Art ist der Einsatz zudem ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Dasselbe gilt für das Verstopfen von Einfluglöchern: Die Tiere suchen sich dann einen Weg nach innen.
Die dritte Fehleinschätzung ist das Entfernen frei hängender Nester in der Hoffnung, dass es am Tisch ruhiger wird. Diese Nester gehören Arten, die ohnehin nicht an Speisen gehen. Das Entfernen ändert nichts an der Plage, kostet Geld und braucht einen vernünftigen Grund, der in diesem Fall fehlt. Was erlaubt ist und wann ein Nest wirklich weg muss, steht unter Stehen Wespen unter Naturschutz, den Weg zu Vermieter, Hausverwaltung oder Behörde beschreibt Wespennest melden.
Wenn ein Nest wirklich stört
Sitzt ein Nest der Deutschen oder Gemeinen Wespe direkt am Hauseingang, im Rollladenkasten eines Kinderzimmers oder lebt ein Allergiker im Haushalt, ist das ein vernünftiger Grund, und ein Fachbetrieb darf das Nest entfernen. In allen anderen Fällen lohnt die Rechnung mit dem Kalender: Ein Nest, das im August auffällt, ist in sechs bis zehn Wochen leer. Bis dahin helfen vier Meter Abstand, eine Absperrung für Kinder, keine Erschütterungen durch den Rasenmäher und ein Brett oder Tuch, das die Flugbahn vom Sitzplatz weglenkt. Danach können Sie das leere Nest abnehmen, und im nächsten Frühjahr lassen Sie die Öffnung abdichten, damit keine Königin dort neu beginnt.
Häufige Fragen
Warum gibt es in manchen Jahren so viele Wespen?
Weil im Frühjahr mehr Königinnen ein Volk gründen konnten. Jede Königin arbeitet die ersten Wochen allein, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen. In warmen, trockenen Frühjahren kommen viele Nester über diese Phase, in kalten und nassen scheitern viele. Dazu kommt der Spätsommer: Große Völker ohne Brut schicken alle Arbeiterinnen auf Zuckersuche.
Wann ist die Wespenplage vorbei?
Ab Mitte September sinkt die Zahl der Arbeiterinnen stetig, weil sie sterben und keine neuen mehr schlüpfen. Die alte Königin stirbt im Herbst, das Volk löst sich auf. Bei milder Witterung fliegen Deutsche und Gemeine Wespe bis Mitte November, alle anderen Arten sind ab Ende August meist verschwunden.
Hilft eine Wespenfalle gegen die Plage?
Nach Einschätzung des Umweltbundesamts meist nicht. Wespen leben in Staaten, und für jedes gefangene Tier kommt Nachschub, solange Nahrung lockt. Fallen fangen zudem viele andere Insekten, darunter die besonders geschützte Hornisse. Besser wirken Abdecken, Ablenkfütterung und Fliegengitter.
Was ist eine Ablenkfütterung?
Eine Schale mit überreifen Weintrauben oder Marmelade, die etwa fünf bis zehn Meter vom Esstisch entfernt steht. Beim Grillen tut es ein Stück Wurst. Die Wespen fliegen die leichter erreichbare Quelle an und lassen den Tisch eher in Ruhe. Honig gehört nicht in die Schale, weil er Bienen anlockt.
Warum sind Wespen im Hochsommer an Fleisch, im Spätsommer an Süßem interessiert?
Im Hochsommer sammeln die Arbeiterinnen Eiweiß für die Larven im Nest, deshalb landen sie auf Grillfleisch und Wurst. Die Larven geben dafür Zuckertröpfchen an die erwachsenen Tiere ab. Im Spätsommer gibt es kaum noch Larven, die Zuckerquelle im Nest versiegt, und die Arbeiterinnen suchen Süßes draußen.
Sollte ich ein Wespennest im Garten entfernen lassen, damit es weniger werden?
Nur wenn ein vernünftiger Grund vorliegt. Frei hängende Nester in Sträuchern oder an Dachüberständen stammen von Arten, die nicht an Speisen gehen, ihr Entfernen ändert am Tisch nichts. Die lästigen Arten nisten im Boden oder in dunklen Hohlräumen, und auch ihr Volk stirbt in wenigen Wochen von selbst.
Quellen
- Bayerisches Landesamt für Umwelt: UmweltWissen Wespen und Hornissen (PDF)
- NLWKN Niedersachsen: Lebensweise der Wespen, Jahresverlauf eines Volks
- NABU: Keine Panik, Tipps zum Umgang mit Wespen und Hornissen
- Umweltbundesamt: Sind Wespenfallen im Garten sinnvoll?
Fachliche Quellen
- Wespen im Herbst: warum sie jetzt lästig werden (Knipp, Neumann & Co. GmbH, Bochum, Fachbetrieb)
- Wespen im Rollladenkasten (S. Wagenschwanz GmbH, Hagen, Fachbetrieb)
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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