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Tigermücke melden: so geht es in jedem Bundesland
Tigermücke gesehen? Meldestellen aller Bundesländer, der Mückenatlas, wie Sie Foto oder Tier einsenden, Merkmale und Brutstätten am Haus.
Lesezeit etwa 9 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Meldepflicht für Bürger gibt es nicht, aber jede Meldung zählt: Die Behörden stellen ihre Fallen dort auf, wo Verdachtsfälle gemeldet werden.
- Melden geht in jedem Bundesland, aber an unterschiedliche Stellen: Landesämter wie das LGL in Bayern, die LUA in Sachsen oder das NLGA in Niedersachsen, in anderen Ländern das Gesundheitsamt. Bundesweit nimmt der Mückenatlas von ZALF und FLI Tiere an.
- Ein Foto reicht oft für den Verdacht, sicher bestimmen lässt sich die Art nur am Tier. Mücke mit einem Glas fangen, über Nacht einfrieren, trocken verpacken, nie zerdrücken.
- Die Tigermücke ist kleiner als eine 1-Cent-Münze, schwarz-weiß gestreift, mit einer weißen Linie über Kopf und Rücken, und sie sticht am Tag.
- Brutstätten sind kleine Wasseransammlungen am Haus: Topfuntersetzer, Gießkannen, Regentonnen ohne Deckel, verstopfte Dachrinnen. Wöchentlich leeren reicht.
Eine Tigermücke melden Sie am besten doppelt: mit einem Foto an die Meldestelle Ihres Bundeslandes und, wenn Sie das Tier gefangen haben, per Post an das zuständige Landesamt oder den bundesweiten Mückenatlas. Eine Pflicht dazu gibt es nicht. Trotzdem hängt die Bekämpfung an genau diesen Meldungen, weil die Behörden ihre Fallen dort aufstellen, wo Bürger etwas gesehen haben. Dieser Artikel nennt für jedes Bundesland die Stelle, erklärt, wie Sie das Tier richtig einschicken, und was am Haus gegen die Brut hilft.
Warum Behörden um Meldungen bitten
Die Asiatische Tigermücke, wissenschaftlich Aedes albopictus, ist seit 2007 in Deutschland nachgewiesen und breitet sich seither aus. Das Robert Koch-Institut führt sie als potenziellen Überträger von Chikungunya-, Dengue- und Zikaviren. Entscheidend ist das Wort potenziell: Die Mücke trägt die Viren nicht von Natur aus in sich, sie kann sie nur weitergeben, wenn sie zuvor einen infizierten Menschen gestochen hat, zum Beispiel einen Reiserückkehrer in der Phase, in der das Virus im Blut ist. Übertragungen durch Tigermücken auf Menschen sind in Deutschland bislang nicht dokumentiert. Das RKI rechnet aber damit, dass wärmere Sommer solche Fälle wahrscheinlicher machen, und bittet Ärztinnen und Ärzte, bei unklarem Fieber nach Reisen auch an diese Erreger zu denken.
Die Behörden wollen deshalb früh wissen, wo sich die Art festsetzt. Ihr Werkzeug ist das Monitoring: Fallen an Verdachtsorten, Kontrollen in Kleingartenanlagen und Wohngebieten, bei bestätigten Populationen eine Bekämpfung der Larven mit biologischen Präparaten. Bayern, Hessen und Berlin schreiben ausdrücklich, dass sie ihre Fallenstandorte nach Bürgermeldungen auswählen. Eine Meldung ist also kein Papierkram, sie steuert, wo gesucht wird.
So erkennen Sie die Tigermücke
Die Tigermücke ist klein, fünf bis zehn Millimeter, und damit kleiner als eine 1-Cent-Münze. Sie ist schwarz mit weißen Ringen an allen Beinen, das letzte Glied der Hinterbeine ist komplett weiß. Das sicherste Merkmal ist eine weiße Linie, die mittig über Kopf und Rücken verläuft. Die Enden der Taster am Kopf sind ebenfalls weiß. Sie sticht tagsüber und sehr hartnäckig, oft mehrfach hintereinander.
Verwechselt wird sie meist mit der heimischen Ringelmücke. Die ist deutlich größer, graubraun statt schwarz und hat keine weiße Zeichnung auf Kopf und Rücken. Wenn Sie ein Foto machen, versuchen Sie die Rückenlinie ins Bild zu bekommen. Genau darauf achten die Labore bei der Vorprüfung.
Melden je Bundesland: die Stellen
Die Zuständigkeit ist Ländersache. Einige Länder haben zentrale Meldestellen bei ihren Landesämtern, andere verweisen an die Gesundheitsämter der Kreise und Städte. Bundesweit nimmt der Mückenatlas jedes Tier an. Die Angaben in der Tabelle stammen von den Behördenseiten mit Stand Oktober 2026; prüfen Sie die Adresse vor dem Versand auf der jeweiligen Seite, weil sich Postfächer ändern.
| Bundesland | Stelle | So melden Sie |
|---|---|---|
| Bayern | Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) | Tier einfrieren, Einsendeformular beilegen, an LGL, Landesinstitut für Tiergesundheit II, Veterinärstr. 2, 85764 Oberschleißheim; Fragen an mueckenmonitoring@lgl.bayern.de |
| Baden-Württemberg | Landesgesundheitsamt mit KABS und Mückenatlas | Meldung über den Mückenatlas, die KABS oder die TIGER-Plattform; Rückfragen an Klimawandel.gesundheit@sm.bwl.de |
| Hessen | Landesamt für Gesundheit und Pflege (HLfGP) | Foto per E-Mail an klima@hlfgp.hessen.de, mit Straße und Ort; Tier nach Rücksprache per Post (Folder des HLfGP) |
| Nordrhein-Westfalen | Gesundheitsamt der Stadt oder des Kreises | Kein Landesportal; Beispiel Köln: Foto und Fundort an tigermuecke@stadt-koeln.de (Stadt Köln); Tier an den Mückenatlas |
| Berlin | Gesundheitsamt Mitte, Vektormonitoring (zentral für alle Bezirke) | Foto an vektormonitoring@ba-mitte.berlin.de; Tier eingefroren in einer kleinen Dose mit Fundort und Datum an Gesundheitsamt Berlin-Mitte, Vektormonitoring, Haus B, Turmstr. 21, 10559 Berlin |
| Sachsen | Landesuntersuchungsanstalt (LUA) Dresden | Foto an tigermuecke@lua.sms.sachsen.de |
| Niedersachsen | Landesgesundheitsamt (NLGA) | Foto vorab an vektormonitoring@nlga.niedersachsen.de, Tier danach an das NLGA (Region Hannover) |
| Brandenburg | Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG), Gesundheitsämter | Nach dem Faltblatt des Landes an das LAVG oder das Gesundheitsamt; bisher keine bekannte Population |
| Hamburg | Institut für Hygiene und Umwelt (im Auftrag der Gesundheitsbehörde) | Monitoring läuft über das Institut; Tiere an den Mückenatlas |
| Alle übrigen Länder | Gesundheitsamt des Kreises oder der Stadt | Foto an das Gesundheitsamt, Tier an den Mückenatlas |
Zwei Dinge gelten überall. Erstens: Das Gesundheitsamt Ihres Kreises ist nie die falsche Adresse. Es leitet weiter, wenn das Land eine zentrale Stelle hat. Zweitens: Der Mückenatlas ist der Weg, der immer funktioniert. Das Projekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) läuft seit 2012, hat nach eigenen Angaben mehr als 207.000 eingesandte Stechmücken bestimmt und meldet jedem Einsender das Ergebnis zurück. Viele Landesämter, darunter das bayerische LGL und das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, verweisen selbst dorthin.
Zusätzlich können Sie Ihre Sichtung hier im Radar eintragen. Das ersetzt die amtliche Meldung nicht, zeigt Nachbarn aber, dass in der Gegend etwas gemeldet wird, und hilft, Brutstätten in der Nachbarschaft gemeinsam zu beseitigen.
So fangen und verschicken Sie das Tier
Die Labore brauchen das Tier möglichst unversehrt, weil die Bestimmung an Beinen, Rücken und Tastern erfolgt. Das Vorgehen ist in allen Ländern gleich und stammt aus den Anleitungen des LGL und des Mückenatlas:
- Mücke mit einem Glas oder Becher fangen, nicht erschlagen und nicht zerdrücken.
- Gefäß über Nacht in den Gefrierschrank stellen. Das tötet das Tier schonend ab.
- Mücke trocken in eine kleine, feste Dose umfüllen, zum Beispiel eine Film- oder Tablettendose. Keine Flüssigkeit, kein Alkohol, keine Watte, die am Tier reibt.
- Zettel mit Fundort (Straße, Ort), Datum und Ihren Kontaktdaten beilegen; beim Mückenatlas das Einsendeformular.
- Dose gepolstert als Brief oder Päckchen an die Stelle Ihres Landes oder an den Mückenatlas schicken.
Wenn Sie kein Tier haben, schicken Sie ein Foto. Hessen bittet ausdrücklich darum, die Straße zu nennen, weil Verdachtsmeldungen ohne Ort für die Fallenplanung wertlos sind. Berlin und Sachsen nehmen Fotos per E-Mail an und entscheiden dann, ob ein Termin vor Ort nötig ist. In Köln bestätigte das Gesundheitsamt 2025 Funde in mehreren Stadtteilen erst nach solchen Besichtigungen.
Brutstätten am Haus: wo die Tigermücke sich vermehrt
Die Tigermücke braucht keinen Teich. Ihre Larven entwickeln sich in winzigen Wasseransammlungen, und genau die gibt es an jedem Haus. Das LGL nennt als typische Brutstätten Regentonnen, alte Autoreifen, Gießkannen, Blumenvasen, Topfuntersetzer, Vogeltränken, Plastikspielzeug, Gullys und verstopfte Dachrinnen. Belebte Gartenteiche mit Fischen oder Amphibien und gechlorte Pools sind dagegen keine relevanten Brutstätten.
Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: Wasser weg. Leeren Sie Untersetzer, Eimer und Gießkannen, drehen Sie ungenutzte Gefäße um, decken Sie Regentonnen mit einem Deckel oder einem feinmaschigen Netz ab, halten Sie Dachrinnen frei und spülen Sie Vogeltränken einmal pro Woche aus. Der Wochenrhythmus reicht, weil die Larven länger als sieben Tage brauchen, um zur Mücke zu werden. Niedersachsen weist nach dem ersten Populationsnachweis in Hannover 2026 darauf hin, dass selbst kleinste Wasserreste in Pflanzenuntersetzern genügen.
Wenn das Gesundheitsamt eine Population bestätigt, kann es in Wohngebieten eine Bekämpfung der Larven anordnen, meist mit Präparaten auf Basis des Bakteriums Bti, die nur Mückenlarven treffen. Grundlage ist § 17 Abs. 2 des Infektionsschutzgesetzes, das Maßnahmen gegen Gesundheitsschädlinge erlaubt. Grundstückseigentümer müssen dann mitwirken, etwa Brutstätten beseitigen und Kontrollen dulden. So weit kommt es seltener, wenn die Nachbarschaft die Gefäße schon vorher leert.
Wo die Tigermücke heute vorkommt
Etablierte Populationen gibt es seit Jahren am warmen Oberrhein zwischen Basel und Bingen, dazu in Teilen Hessens, Nordrhein-Westfalens und Bayerns sowie in einzelnen Städten wie Berlin, Dresden und Jena. 2025 bestätigte Köln Funde in mehreren Stadtteilen, 2026 wies Niedersachsen die erste Population in Hannover nach. Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hatten bis zum Sommer 2026 keine bekannten Populationen, erwarten die Art aber. Wie oft in Ihrer Stadt zuletzt gemeldet wurde, zeigt die aktuelle Lage, und wann die Mückensaison beginnt, steht im Schädlingskalender.
Rechtslage auf einen Blick
- Keine Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz für Sichtungen. Die Tigermücke gilt als potenzieller Überträger von Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren (RKI), nachgewiesene Übertragungen in Deutschland gibt es nach Angaben des RKI bislang nicht.
- Die Bekämpfung etablierter Populationen ordnen Länder und Kreise an, in der Regel über die Gesundheitsämter; Grundlage ist § 17 Abs. 2 IfSG, der Maßnahmen gegen Gesundheitsschädlinge erlaubt.
- Wer auf seinem Grundstück Brutstätten duldet, kann bei einer angeordneten Bekämpfung zur Mitwirkung verpflichtet werden. Gefunden wurde die Art bisher vor allem am Oberrhein, in Teilen Hessens, NRWs und Bayerns sowie in Berlin und Dresden.
Häufige Fragen
Muss ich eine Tigermücke melden?
Nein, eine Pflicht gibt es nicht. Die Landesämter und Gesundheitsämter bitten aber ausdrücklich um Meldungen, weil sie ihre Fallen und Kontrollen nach Verdachtsfällen ausrichten. Eine einzelne Meldung mit Foto kann der erste Hinweis auf eine neue Population sein.
Reicht ein Foto oder muss ich das Tier einschicken?
Ein scharfes Foto reicht für die Vorprüfung, am besten mit sichtbarer weißer Linie auf dem Rücken. Sicher bestimmen können die Labore nur am Tier. Fangen Sie die Mücke mit einem Glas, legen Sie sie über Nacht in den Gefrierschrank und verpacken Sie sie trocken in einer kleinen Dose, nicht in Alkohol und nicht zerdrückt.
Wohin schicke ich die Mücke, wenn mein Bundesland keine eigene Stelle hat?
An den Mückenatlas, das bundesweite Mitmachprojekt des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung und des Friedrich-Loeffler-Instituts. Einsendeformular ausfüllen, Dose beilegen, abschicken. Sie bekommen eine Rückmeldung mit der Artbestimmung.
Wie erkenne ich die Tigermücke?
Sie ist 5 bis 10 Millimeter lang, also kleiner als eine 1-Cent-Münze, schwarz mit weißen Ringen an allen Beinen, das letzte Glied der Hinterbeine ist weiß, und über Kopf und Rücken läuft eine weiße Linie. Sie sticht tagsüber. Die heimische Ringelmücke ist größer, graubraun und hat diese Linie nicht.
Ist ein Stich gefährlich?
In Deutschland derzeit nicht mehr als ein anderer Mückenstich. Die Tigermücke kann Viren nur weitergeben, wenn sie vorher einen infizierten Menschen gestochen hat, etwa einen Reiserückkehrer. Das RKI sieht das Risiko als gering an, erwartet aber mit wärmeren Sommern, dass es steigt. Wer nach einer Reise Fieber bekommt, sagt das der Ärztin oder dem Arzt.
Was kann ich am Haus tun?
Alles leeren, was Wasser sammelt: Untersetzer, Gießkannen, Eimer, Vogeltränken, Planen, Spielzeug. Regentonnen mit Deckel oder feinem Netz verschließen, Dachrinnen frei halten. Einmal pro Woche reicht, weil die Larven länger brauchen. Ein Gartenteich mit Fischen ist keine Brutstätte.
Quellen
- Robert Koch-Institut: Saison 2026 stechmückenübertragener Krankheitserreger in Deutschland beginnt (Epidemiologisches Bulletin 25/2026)
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Stechmücken-Monitoring, Fragen und Antworten, Einsendung
- Bezirksamt Neukölln von Berlin: Die Asiatische Tigermücke in Berlin (Meldung an das Vektormonitoring)
- Landesuntersuchungsanstalt Sachsen: Vektoren, Verdachtsfunde melden
- Mückenatlas (ZALF und FLI): Mitmachen und Einsendeformular
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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