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Eichenprozessionsspinner: wann er gefährlich ist, was tun
Brennhaare ab Mai, Nester gefährlich über Jahre: wann der Eichenprozessionsspinner gefährlich wird, welche Symptome drohen und was nach Kontakt hilft.
Lesezeit etwa 9 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Gefährlich wird der Eichenprozessionsspinner ab dem dritten von sechs Larvenstadien, je nach Witterung ab Mai. Erst dann tragen die Raupen die Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein.
- Die Gefahr endet nicht mit der Saison. In den Gespinstnestern ist die Konzentration der Brennhaare besonders hoch, und auch alte Nester lösen nach dem Umweltbundesamt noch Reaktionen aus.
- Typisch sind Hautausschlag mit Rötung, Pusteln und starkem Juckreiz, oft erst Stunden nach dem Kontakt, dazu Bindehautentzündung, Husten, Atemnot, Schwindel und Fieber. Die Empfindlichkeit nimmt mit jedem Kontakt zu.
- Nach Kontakt: Kleidung wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen, duschen, Haare waschen, bei Atemnot den Rettungsdienst rufen. Nester nie selbst entfernen, auch nicht im eigenen Garten.
Der Eichenprozessionsspinner ist nicht das ganze Jahr gefährlich, und er ist nicht überall gefährlich. Gefährlich sind seine Brennhaare, und die gibt es erst ab dem dritten Larvenstadium, je nach Witterung ab Mai. Dann aber bleiben sie: in den Raupen, in den Gespinstnestern am Stamm und in alten Nestern, die der Wind noch Jahre später ausfranst. Dieser Artikel erklärt, wann die Gefahr beginnt, was ein Kontakt auslöst, was Sie danach tun und warum Sie ein Nest auch im eigenen Garten nicht selbst anfassen. Wo Sie einen Befall melden und wer bei öffentlichen Bäumen zuständig ist, steht im Artikel Eichenprozessionsspinner melden.
Die Saison: wann die Brennhaare entstehen
Die Eier werden im Hochsommer des Vorjahres im oberen Kronenbereich der Eichen abgelegt und mit Schuppen getarnt. Je nach Witterung schlüpfen die Raupen im April oder Mai. Sie durchlaufen nach dem Umweltbundesamt sechs Larvenstadien und werden bis zur Verpuppung bis zu 4 Zentimeter lang, grau bis schwarz, mit langen weißen Haaren, die man sieht.
Die Haare, die man sieht, sind nicht das Problem. Die Brennhaare sind winzig, mit bloßem Auge nicht erkennbar, und sie werden erst ab dem dritten Larvenstadium gebildet. In einem normalen Jahr ist das im Mai, nach einem kalten Frühjahr auch später. Ab etwa Mitte Juni ziehen sich die Raupen in die Gespinstnester an Stamm und Astgabeln zurück, Ende Juni oder Anfang Juli beginnt die Verpuppung, im Spätsommer fliegen die unscheinbaren Falter. Die Senatsverwaltung Berlin fasst die Zeit, in der befallene Gebiete nach Möglichkeit nicht betreten werden sollten, mit Mitte Mai bis Ende Juli zusammen.
| Zeitraum | Was passiert | Gefahr |
|---|---|---|
| April bis Anfang Mai | Raupen schlüpfen, erstes und zweites Stadium | noch keine Brennhaare |
| Mai bis Mitte Juni | drittes bis sechstes Stadium, Raupen wandern in Prozessionen | hoch, Brennhaare an den Raupen |
| Mitte Juni bis Juli | Rückzug in Gespinstnester, Verpuppung | sehr hoch, Nester voller Brennhaare und Häutungsreste |
| August bis Winter | Falter fliegen, Nester bleiben | weiter hoch an den Nestern, Haare werden vom Wind verteilt |
| Folgejahre | alte Nester an Stamm und Ästen | Reaktionen weiterhin möglich, Dauer nicht untersucht |
Die Gefahr ist also nicht an das Tier gebunden, sondern an das Material. In den Nestern ist die Konzentration der Brennhaare nach dem Umweltbundesamt besonders hoch, weil die Raupen dort ihre Häute abstreifen. Deshalb saugen Fachbetriebe auch im Herbst und Winter noch Nester ab, die im Sommer übersehen wurden. Wie sich das in den Jahreslauf der anderen Arten einfügt, zeigt der Schädlingskalender.
Was die Brennhaare im Körper auslösen
Die Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Sie brechen leicht ab, haften an Haut, Kleidung und Fell und bohren sich mit ihren Widerhaken ein. Was dann passiert, beschreiben das Umweltbundesamt und die Berliner Senatsverwaltung übereinstimmend.
Haut. Die häufigste Reaktion ist die Raupendermatitis: Rötungen, kleine Pusteln, Quaddeln und ein starker Juckreiz, der mehrere Tage anhält. Die Reaktion kann erst Stunden nach dem Kontakt auftreten, oft an Hals, Armen und Beinen, also dort, wo Haare auf unbedeckte Haut treffen.
Augen. Reizungen bis zu schweren Bindehautentzündungen sind möglich, wenn Haare ins Auge gelangen, etwa beim Reiben mit der Hand.
Atemwege. Eingeatmete Brennhaare können Husten, Reizungen der Atemwege und Atemnot auslösen. Für Menschen mit Asthma ist das die kritischste Form.
Allgemein. Schwindel, Benommenheit und Fieber kommen vor. Allergische Schockreaktionen sind nach dem Umweltbundesamt selten, aber möglich. Wichtig für alle, die mit Eichen zu tun haben: Die Empfindlichkeit kann mit der Zahl der Kontakte zunehmen. Wer in einem Jahr nur juckte, kann im nächsten Jahr stärker reagieren.
Das Umweltbundesamt stellt dabei klar, dass der Eichenprozessionsspinner keine Krankheitserreger überträgt. Es ist eine Reizung und eine allergische Reaktion auf das Gift, keine Infektion. Das ändert nichts an der Schwere, erklärt aber, warum Hygiene nach dem Kontakt so viel ausmacht: Die Haare müssen weg.
Was Sie nach einem Kontakt tun
Die Reihenfolge ist einfach und beide Behörden nennen sie gleich.
- Kleidung und Schuhe so schnell wie möglich wechseln, am besten noch draußen oder im Flur, nicht im Schlafzimmer. Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen, damit das Nesselgift zerstört wird.
- Duschen und Haare waschen. Nicht kratzen, nicht reiben, nicht mit den Händen ins Gesicht.
- Haare, die sichtbar auf der Haut sitzen, mit einem Klebestreifen abziehen statt abwischen.
- Bei Hautsymptomen hilft Kühlen; bei starken Beschwerden zum Arzt, mit dem Hinweis auf den möglichen Kontakt.
- Bei Atemnot, Asthmabeschwerden, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen den Rettungsdienst rufen.
Keine Brennhaare ins Haus tragen: Jacken, Rucksäcke und Hundedecken bleiben draußen oder gehen in die Wäsche, Schuhe werden abgespült. Wer unter einer befallenen Eiche gesessen hat, wäscht auch die Picknickdecke.
Hunde und andere Tiere
Hunde sind besonders gefährdet, weil sie mit der Nase voran unterwegs sind. Nach dem Umweltbundesamt können Tiere Reizungen von Verdauungstrakt, Haut und Augen bekommen, und Brennhaare werden über das Fell verschleppt, also auch ins Haus und auf das Sofa. Ein Hund, der eine Raupenprozession beschnuppert oder ein herabgefallenes Nest ins Maul nimmt, reagiert an Lefzen und Zunge: Speicheln, Schwellung, Würgen, Erbrechen. Dann gehört er zum Tierarzt, und das Maul wird vorher nicht mit den bloßen Händen untersucht.
Praktisch heißt das: In befallenen Gebieten von Mai bis Ende Juli an der Leine bleiben, Wege nicht verlassen, Hunde nicht unter Eichen schnüffeln lassen, nach dem Spaziergang das Fell nicht mit bloßen Händen abstreifen, sondern mit Handschuhen bürsten oder den Hund abduschen. Pferde und Weidetiere unter befallenen Eichen sind ein Thema für den Tierarzt und den Weidebetreiber.
Was Sie nicht tun sollten
Nester nicht eigenhändig entfernen, auch nicht im eigenen Garten. Das sagen das Umweltbundesamt und die Berliner Senatsverwaltung gleichlautend, und der Grund ist handfest: Beim Abflammen, Abspritzen mit dem Hochdruckreiniger oder beim Fällen des Baums werden die Brennhaare in der Umgebung verteilt, und zwar genau dort, wo Sie und Ihre Nachbarn wohnen. Raupen und Gespinste nicht berühren, auch keine toten Raupen, auch keine leeren Nester. Befallene Eichen meiden, Wege nicht verlassen, Kinder und Hunde von den Stämmen fernhalten. Wer eine befallene Eiche auf dem eigenen Grundstück hat, sperrt den Bereich darunter ab, warnt Nachbarn und beauftragt einen Fachbetrieb; die Pflichten je Standort des Baums und die Meldewege stehen im Artikel zum Melden.
Was Fachbetriebe tun und warum nur sie
Bekämpfungsmaßnahmen dürfen nach dem Umweltbundesamt nur von Fachleuten durchgeführt werden. Mechanisch werden die Gespinstnester ab dem dritten Larvenstadium abgesaugt, mit Schutzanzug, Atemschutz und Geräten, die die Haare im Filter halten. Thermisch kommen Heißwasser oder Heißschaum zum Einsatz. Biologisch werden Nematoden ausgebracht, wobei auch andere Schmetterlingsraupen sterben können. Chemisch ist die Bekämpfung nur im ersten und zweiten Larvenstadium sinnvoll, also bevor die Brennhaare da sind; zugelassen ist derzeit allein der Wirkstoff Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki Stamm ABTS-351, und auch den bringen nur Fachleute aus. Eine Raupe, die nach dem dritten Stadium stirbt, bleibt mit allen Brennhaaren im Baum, deshalb nützt späte Chemie nichts.
Die Rechtslage ist je nach Standort des Baums unterschiedlich. An öffentlichen Bäumen sichert die Stadt, an privaten Eichen trägt der Eigentümer die Verkehrssicherung, und Berlin beschreibt den Schritt, der folgt, wenn nichts passiert: Das Bezirksamt kann Eigentümer zur Beseitigung auf eigene Kosten verpflichten und die Maßnahme ersatzweise selbst durchführen lassen. Wer das vermeiden will, meldet früh und lässt früh absaugen.
Verwechslung: Gespinstmotte und andere Raupen
Nicht jedes Gespinst im Garten ist ein Eichenprozessionsspinner. Die Berliner Senatsverwaltung weist auf die harmlose Gespinstmotte hin: Ihre Raupen sind unbehaart, weißlich mit schwarzen Punkten, ihre Gespinste überziehen vor allem Sträucher und Büsche, manchmal die ganze Pflanze, und sie sind für Menschen ungefährlich. Der Eichenprozessionsspinner sitzt an Eichen, selten an anderen Bäumen in deren Nähe, seine Raupen sind grau bis schwarz, behaart, und sie wandern in Prozessionen am Stamm. Gespinste an Pfaffenhütchen, Traubenkirsche oder Apfelbaum sind fast immer Gespinstmotten.
Wenn Sie einen Befall an einer Eiche sehen, melden Sie ihn Ihrer Stadt und tragen Sie ihn zusätzlich hier im Radar ein. Je früher Nester bekannt sind, desto eher werden sie abgesaugt, bevor der Wind die Brennhaare in die nächste Straße trägt.
Rechtslage auf einen Blick
- Umweltbundesamt: Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner dürfen nur von Fachleuten durchgeführt werden. Mechanisch werden Nester abgesaugt, thermisch mit Heißwasser oder Heißschaum behandelt.
- Biozidrecht: Chemische Bekämpfung ist nur im ersten und zweiten Larvenstadium sinnvoll. Zugelassen ist nach dem Umweltbundesamt allein der Wirkstoff Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki Stamm ABTS-351, Anwendung durch Fachleute.
- Senatsverwaltung Berlin: Das Bezirksamt kann Eigentümer zur Beseitigung auf eigene Kosten verpflichten, wenn die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet ist, und die Maßnahme ersatzweise selbst durchführen lassen. Die Pflichten je Standort des Baums stehen im Artikel zum Melden.
Häufige Fragen
Ab wann im Jahr ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?
Die Raupen schlüpfen je nach Witterung im April oder Mai. Die Brennhaare entstehen erst ab dem dritten Larvenstadium, in der Regel ab Mai. Berlin rät, befallene Gebiete von Mitte Mai bis Ende Juli zu meiden. Ab etwa Mitte Juni ziehen sich die Raupen in die Gespinstnester zurück, Ende Juni oder Anfang Juli beginnt die Verpuppung. Die Nester bleiben danach gefährlich.
Wie lange bleiben alte Nester gefährlich?
Das ist nach Angaben des Umweltbundesamts noch nicht abschließend untersucht. Fest steht, dass alte Brennhaare in verlassenen Nestern je nach Alter weiterhin Reaktionen auslösen können und dass die Konzentration in den Nestern besonders hoch ist. Berlin warnt ausdrücklich davor, alte Nester zu berühren. Deshalb werden auch Nester vom Vorjahr von Fachbetrieben abgesaugt.
Welche Symptome löst der Kontakt aus?
Am häufigsten eine Raupendermatitis: Rötungen, kleine Pusteln und starker Juckreiz, oft erst Stunden nach dem Kontakt. Möglich sind Bindehautentzündung, Reizung der Atemwege mit Husten und Atemnot, Schwindel, Benommenheit und Fieber. Allergische Schockreaktionen sind selten. Die Empfindlichkeit kann mit der Zahl der Kontakte zunehmen.
Was tue ich nach einem Kontakt?
Kleidung und Schuhe so schnell wie möglich wechseln, Kleidung bei mindestens 60 Grad waschen, damit das Nesselgift zerstört wird, duschen und Haare waschen. Haare auf der Haut nicht verreiben. Bei Symptomen zum Arzt, bei Atemnot oder Asthmabeschwerden den Rettungsdienst rufen und den möglichen Kontakt nennen.
Ist der Eichenprozessionsspinner für Hunde gefährlich?
Ja. Nach dem Umweltbundesamt können Tiere Reizungen von Verdauungstrakt, Haut und Augen bekommen, und Brennhaare werden über das Fell verschleppt. Hunde, die Raupen oder Nester beschnuppern oder ins Maul nehmen, reagieren an Maul und Zunge. Bei Speichelfluss, Schwellungen oder Erbrechen zum Tierarzt. In befallenen Gebieten bleibt der Hund von Mai bis Ende Juli an der Leine.
Kann ich ein Nest im eigenen Garten selbst entfernen?
Nein. Berlin und das Umweltbundesamt raten ausdrücklich davon ab, auch im eigenen Garten. Beim Abflammen, Abspritzen oder Fällen werden die Brennhaare in der Umgebung verteilt. Fachbetriebe saugen Nester mit Schutzausrüstung ab oder behandeln sie thermisch. Wo Sie den Befall melden und wer bei öffentlichen Bäumen zuständig ist, steht im Artikel zum Melden.
Woran erkenne ich, dass es gar kein Eichenprozessionsspinner ist?
Die Nester werden oft mit denen der harmlosen Gespinstmotte verwechselt. Deren Raupen sind unbehaart, weißlich mit schwarzen Punkten, ihre Gespinste überziehen Sträucher und Büsche, manchmal die ganze Pflanze. Der Eichenprozessionsspinner sitzt an Eichen, die Raupen sind grau bis schwarz, behaart und wandern in Prozessionen am Stamm.
Quellen
- Umweltbundesamt: Eichenprozessionsspinner (Biologie, Gesundheit, Bekämpfung)
- Umweltbundesamt: Häufig gestellte Fragen zum Eichenprozessionsspinner
- Senatsverwaltung für Gesundheit Berlin: Eichenprozessionsspinner, Gesundheitsgefahren und Verhaltensregeln
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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