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Hantavirus durch Mäuse: Risiko, Reinigung von Kot, wann zum Arzt

Welche Maus Hantaviren trägt, wo in Deutschland das Risiko hoch ist, wie Sie Schuppen und Dachboden gefahrlos reinigen und welche Symptome zum Arzt gehören.

Lesezeit etwa 9 Minuten · Stand 08.10.2026

Staubiger Geräteschuppen mit Regal, Mäusekot auf dem Brett, Handschuhe und Atemmaske am Haken
Illustration, keine Abbildung zur Artbestimmung.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Deutschland trägt vor allem die Rötelmaus das Puumala-Hantavirus. Sie lebt im Wald und am Waldrand und kommt im Herbst in Schuppen, Gartenhäuser und Keller. Die Hausmaus spielt als Überträger keine Rolle.
  • Angesteckt wird man über eingeatmeten Staub aus Kot und Urin, selten über Bisse oder kleine Hautverletzungen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus bei den hiesigen Typen nicht.
  • Die Fallzahlen schwanken stark: 72 Fälle im Jahr 2006, 2.825 im Jahr 2012. Schwerpunkte sind die Schwäbische Alb, der Bayerische Wald, Unterfranken, Osthessen, das Münsterland und der Teutoburger Wald.
  • Beim Reinigen von Räumen mit Mäusespuren gilt nach dem Robert Koch-Institut: 30 Minuten lüften, Handschuhe und Maske, alles anfeuchten, kein Staubsauger, kein Fegen.
  • Fieber über 38 Grad, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen bis zu vier Wochen nach Kontakt mit Mäusespuren gehören zum Arzt. Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch.

Das Hantavirus kommt in Deutschland nicht aus fernen Ländern, sondern aus dem Wald hinter dem Gartenzaun. Träger ist vor allem die Rötelmaus, ein kleines rotbraunes Tier, das im Herbst gern in Gartenhäuser, Schuppen, Holzstapel und Keller zieht. Wer dort im Frühjahr mit dem Besen aufräumt und den Staub aus Kot und Urin einatmet, kann sich anstecken. Das klingt dramatischer, als es in den meisten Jahren ist, und ist doch der Grund, warum das Robert Koch-Institut ein eigenes Merkblatt zum Aufräumen veröffentlicht hat. Dieser Artikel erklärt, welche Maus es betrifft, wo das Risiko hoch ist, wie das Reinigen gefahrlos geht und wann Symptome zum Arzt gehören. Er ersetzt keinen Arztbesuch.

Zwei Mäuse, zwei Viren

Das Robert Koch-Institut unterscheidet für Deutschland zwei krankmachende Hantavirus-Typen. Das Puumala-Virus wird von der Rötelmaus übertragen und ist der mit Abstand häufigste Typ, verbreitet vor allem im Süden und Westen. Das Dobrava-Belgrad-Virus, Genotyp Kurkino, stammt von der Brandmaus und tritt im Norden und Osten auf. Die Feldmaus trägt das Tula-Virus, das beim Menschen nur in wenigen Fällen zu Erkrankungen geführt hat. Dazu wurde zuletzt ein erster in Deutschland erworbener Fall mit dem Seoul-Virus beschrieben, das von Ratten getragen wird.

Für Haushalte heißt das: Die Hausmaus, die in der Küche Krümel sammelt, ist nicht das Problem. Die Rötelmaus ist es, ein Waldbewohner mit rötlichem Rücken, der in waldnahen Siedlungen, in Gartenhäusern am Ortsrand und in Scheunen auftaucht. Die Mäuse selbst erkranken nicht. Sie scheiden die Viren mit Speichel, Urin und Kot aus, und zwar in manchen Jahren massenhaft: Wenn Bucheckern und Eicheln reichlich fallen, vermehren sich Rötelmäuse stark, und im Jahr darauf steigen die Infektionszahlen beim Menschen. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit spricht von epidemischen Häufungen etwa alle zwei bis drei Jahre.

Wie die Ansteckung passiert

Der Hauptweg ist nach dem RKI das Einatmen von aufgewirbeltem Staub, der getrocknete Ausscheidungen enthält. Das passiert beim Fegen eines Schuppens, beim Ausräumen eines lange verschlossenen Kellers, beim Umschichten eines Holzstapels, beim Aufräumen des Dachbodens. Daneben nennt das RKI den Kontakt verletzter Haut mit kontaminiertem Material, Bisse und verunreinigte Lebensmittel. Die Viren bleiben in getrockneten Ausscheidungen mehrere Tage infektiös, das RKI-Merkblatt spricht sogar von mehreren Wochen in der Umwelt. Ein direkter Kontakt mit einer Maus ist für die Ansteckung nicht nötig.

Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus bei den europäischen Typen nicht. Auch Haustiere, Mücken und Zecken scheiden als Überträger nach dem Stand des RKI aus. Wer erkrankt, steckt also niemanden an. Das unterscheidet die hiesigen Hantaviren vom südamerikanischen Andes-Virus, das 2026 durch einen Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff in die Nachrichten kam und das sich in engem Kontakt zwischen Menschen weitergeben kann.

Wo das Risiko hoch ist

Hantavirus-Erkrankungen sind in Deutschland ungleich verteilt. Das RKI nennt als Ausbruchsregionen die Schwäbische Alb, den Bayerischen Wald, den Spessart, Nordost-Hessen, das Münsterland und West-Thüringen. Das Merkblatt ergänzt den Teutoburger Wald, Unterfranken, den Odenwald, Oberschwaben und die Fränkische Alb. Für Nordrhein-Westfalen ist damit vor allem das Münsterland mit dem Teutoburger Wald betroffen, nicht das Ruhrgebiet. Das Bayerische Landesamt nennt als bekannte Endemiegebiete die Region Aschaffenburg bis Würzburg, Teile des Bayerischen Waldes und die Schwäbische Alb.

Die Zahlen schwanken wie die Mäusepopulation. Das RKI nennt als niedrigsten Wert 72 Fälle im Jahr 2006 und als höchsten 2.825 Fälle im Jahr 2012. Für Bayern allein zeigt die Tabelle des Landesamts das Muster: 437 Fälle 2010, 438 im Jahr 2012, 374 im Jahr 2017, 310 im Jahr 2021, dazwischen Jahre mit 28 bis 60 Fällen. 2025 lag Bayern bei 90 gemeldeten Fällen. Mehr als zwei Drittel der Erkrankten sind nach dem RKI Männer, die meisten zwischen 30 und 49 Jahren. Kinder erkranken selten. Die Infektionsgefahr besteht das ganze Jahr, ist nach dem Merkblatt aber von April bis September am höchsten, wenn die Mäuse aktiv sind und die Menschen draußen arbeiten.

RisikoBeispiele aus dem RKI-Merkblatt
Berufliche TätigkeitenForstwirtschaft, Bauwesen, Schädlingsbekämpfung
Aufräumen und ReinigenScheunen, Schuppen, Ställe, Gartenhäuser, Keller und Dachböden, in denen Mäuse vorkommen oder vorkamen
Aktivitäten im FreienGartenarbeit, Holz schlagen und stapeln, Jagen, Joggen, Zelten
AufenthaltGegenden, in denen sich Mäuse stark vermehrt haben

Symptome und Verlauf

Viele Infektionen verlaufen nach dem RKI ohne Symptome oder so leicht, dass sie nicht auffallen. Die Krankheit, die in Deutschland typischerweise auftritt, heißt Nephropathia epidemica und ist eine milde bis mittelschwere Form des hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom. Sie beginnt wie eine Grippe: plötzlich hohes Fieber über 38 Grad, das drei bis vier Tage anhält, dazu Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen, oft Übelkeit und Sehstörungen. Nach etwa einer Woche kann die Nierenfunktion nachlassen, der Blutdruck fallen, in schweren Fällen bis zum akuten Nierenversagen. Weniger als zehn Prozent der Erkrankten brauchen vorübergehend eine Dialyse. Die Sterblichkeit beim Puumala-Virus liegt nach dem RKI unter 0,1 Prozent, beim Dobrava-Belgrad-Virus Kurkino zwischen 0,3 und 0,9 Prozent.

Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis vier Wochen, selten fünf Tage oder bis zu 60 Tage. Wer also Mitte Oktober das Gartenhaus ausgeräumt hat und Anfang November mit hohem Fieber und Rückenschmerzen im Bett liegt, sollte dem Arzt genau diesen Zusammenhang nennen. Eine gezielte Therapie gibt es nicht, behandelt werden die Symptome, bei Nierenbeteiligung im Krankenhaus. Eine überstandene Infektion hinterlässt nach dem RKI vermutlich eine lebenslange Immunität gegen den jeweiligen Virustyp. Nichts davon ersetzt den Arztbesuch: Fieber über drei Tage nach Kontakt mit Mäusespuren ist ein Grund, hinzugehen.

Aufräumen nach Mäusen: die Regeln des RKI

Das Merkblatt des Robert Koch-Instituts, erstellt mit dem Friedrich-Loeffler-Institut, dem Julius Kühn-Institut und der Charité, beschreibt das Vorgehen Schritt für Schritt. Es gilt für Schuppen, Gartenhäuser, Keller, Dachböden und Ställe, in denen Mäuse waren.

  1. Lüften. Vor Beginn alle Fenster und Türen mindestens 30 Minuten öffnen und den Raum in dieser Zeit meiden.
  2. Schützen. Gummihandschuhe anziehen. Bei Staubentwicklung einen eng anliegenden Mund-Nasen-Schutz tragen, das RKI empfiehlt eine FFP3-Maske, das Bayerische Landesamt nennt FFP2 oder FFP3.
  3. Anfeuchten. Tote Mäuse, belegte Fallen, Kot und Nestmaterial zuerst gründlich mit einem handelsüblichen Reinigungsmittel besprühen, damit kein virusbeladener Staub aufsteigt.
  4. Nicht saugen, nicht fegen. Ein Staubsauger bläst die Viren mit der Abluft in den Raum. Feucht aufnehmen, mit Papiertüchern oder einem feuchten Lappen.
  5. Entsorgen. Tote Mäuse und das aufgenommene Material in eine Plastiktüte geben, verschließen, in den Hausmüll.
  6. Reinigen. Böden, Arbeitsflächen und andere Oberflächen sorgfältig mit Haushaltsreiniger säubern, benutzte Fallen nach dem Gebrauch reinigen.
  7. Danach. Duschen samt Haarewaschen, Arbeitskleidung vor dem nächsten Tragen waschen.

Wer diese sieben Punkte einhält, hat das Risiko im Griff. Der Rest ist Vorbeugung: Lebensmittel und Tierfutter in dicht schließenden Behältern, kein Futter und Wasser über Nacht im Freien, Abfall unzugänglich, Essensreste nicht auf den Kompost, Einstiege ins Haus finden und verschließen, Unterschlupf wie Sperrmüll und Altreifen beseitigen. Wie das Verschließen geht, steht unter Löcher am Haus verschließen.

Mäuse fangen in Risikogebieten

Das RKI-Merkblatt empfiehlt für den Mäusefang handelsübliche Schlagfallen, aufgestellt in dunklen Ecken und entlang von Wänden, täglich kontrolliert und für Kinder und Haustiere unzugänglich. Das Umweltbundesamt bestätigt, dass die Rötelmaus zu den Arten gehört, die bekämpft werden dürfen. Beim Leeren der Falle gelten dieselben Regeln wie beim Aufräumen: Handschuhe, anfeuchten, Beutel, Hausmüll. Wer im Gartenhaus regelmäßig Mäuse hat, hält die Fallen über den Winter aktiv und räumt im Frühjahr nicht ohne Maske auf. Welche Anzeichen auf Mäuse im Wohnhaus hindeuten und was dort zuerst zu tun ist, steht unter Mäuse im Haus.

Melden, Zählen, Vorwarnen

Die Hantavirus-Erkrankung ist meldepflichtig, aber nicht für Sie: Arzt und Labor melden dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden. Die Zahlen laufen beim Robert Koch-Institut zusammen und lassen sich in der Datenbank SurvStat nach Jahr und Kreis abfragen. Für die Mäuse selbst gibt es keine Meldestelle. Das Radar schließt diese Lücke in bescheidenem Rahmen: Wer im Herbst Mäuse im Gartenhaus oder Keller findet, kann die Sichtung hier eintragen. Nachbarn sehen dann auf der Karte, dass im Viertel Mäuse unterwegs sind, und greifen beim Herbstputz zur Maske statt zum Besen.

Rechtslage auf einen Blick

  • § 6 Abs. 1 Nr. 1 Infektionsschutzgesetz: Verdacht, Erkrankung und Tod an virusbedingtem hämorrhagischem Fieber sind namentlich meldepflichtig. § 7 Abs. 1: Der Labornachweis von Hantaviren ist meldepflichtig, wenn er auf eine akute Infektion hinweist. Beides melden Arzt und Labor, nicht die Betroffenen.
  • Die Meldung muss nach § 9 Infektionsschutzgesetz innerhalb von 24 Stunden beim Gesundheitsamt eingehen (RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung, Stand November 2020).
  • Rötelmaus, Hausmaus und Feldmaus dürfen nach Anlage 1 Bundesartenschutzverordnung bekämpft werden, Waldmaus und Brandmaus nur mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (Umweltbundesamt).

Häufige Fragen

Welche Mäuse übertragen Hantaviren?

Nach dem Robert Koch-Institut sind es in Deutschland zwei Arten: die Rötelmaus mit dem Puumala-Virus im Süden und Westen und die Brandmaus mit dem Dobrava-Belgrad-Virus im Norden und Osten. Die Feldmaus trägt das Tula-Virus, das Menschen nur sehr selten krank macht. Die Hausmaus ist in Deutschland kein Überträger.

Kann ich mich an Mäusekot im Keller anstecken?

Ja, wenn der Kot von Rötelmäusen stammt und beim Aufräumen Staub aufgewirbelt wird. Die Viren bleiben nach dem RKI in getrockneten Ausscheidungen mehrere Tage, nach dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit bis zu mehrere Wochen infektiös. Deshalb vor dem Reinigen lüften, alles anfeuchten und nicht saugen.

Wie lange nach dem Kontakt treten Symptome auf?

Die Inkubationszeit beträgt nach dem RKI meist zwei bis vier Wochen, in seltenen Fällen fünf Tage bis zwei Monate. Wer nach Arbeiten in einem Schuppen mit Mäusespuren hohes Fieber mit Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen bekommt, nennt dem Arzt diesen Kontakt.

Wie gefährlich ist eine Infektion?

Die in Deutschland häufige Form, die Nephropathia epidemica, verläuft nach dem RKI meist mild bis mittelschwer. Weniger als zehn Prozent der Erkrankten brauchen vorübergehend eine Dialyse, die Sterblichkeit beim Puumala-Virus liegt unter 0,1 Prozent. Viele Infektionen bleiben ganz ohne Symptome.

Gibt es eine Impfung?

Nein. In Europa ist nach dem RKI kein Impfstoff gegen Hantaviren zugelassen, und es gibt keine gezielte antivirale Therapie. Behandelt werden die Symptome. Der Schutz besteht darin, Mäuse aus dem Wohnbereich fernzuhalten und beim Aufräumen keinen Staub einzuatmen.

Muss ich einen Fund von Rötelmäusen melden?

Nein. Meldepflichtig ist die Erkrankung des Menschen, und die meldet der Arzt oder das Labor. Für die Maus selbst gibt es keine Behörde, die eine Meldung erwartet. Im Radar können Sie Mäuse in Ihrer Gegend eintragen, damit Nachbarn beim Herbstputz im Gartenhaus vorsichtig sind.

Quellen

Fachliche Quellen

Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.

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