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Bettwanzen bekämpfen: was selbst geht, wann der Fachbetrieb muss
Bettwanzen erkennen, Wäsche und Einfrieren richtig nutzen, Fallen und Encasements einsetzen und warum ein echter Befall fast immer den Fachbetrieb braucht.
Lesezeit etwa 10 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Einen Bettwanzenbefall beseitigt nach Einschätzung des Umweltbundesamts nur ein Fachbetrieb. Was Sie selbst tun, begleitet die Bekämpfung und verhindert die Ausbreitung.
- Wäsche bei mindestens 40 Grad, besser 60 Grad im längsten Programm oder im Trockner bei 60 Grad. Empfindliche Dinge drei Tage bei minus 18 Grad in dicht verschlossenen Tüten einfrieren.
- Fallen unter den Bettfüßen und ein dicht schließender Matratzenbezug zeigen und begrenzen den Befall, beenden ihn aber nicht.
- Sprays und Mittel aus dem Internet verteilen die Tiere eher, das Umweltbundesamt rät dringend davon ab. Auch wochenlanges Verlassen der Wohnung hilft nicht, Bettwanzen hungern monatelang.
- Bettwanzen sind nicht meldepflichtig und kein Zeichen für mangelnde Hygiene. Mieter melden den Befall dem Vermieter, Hotelgäste wechseln das Zimmer.
Einen Bettwanzenbefall beseitigt nur ein Fachbetrieb. Das ist keine Verkaufsformel, sondern die Einschätzung des Umweltbundesamts, das seit 2017 einen eigenen Ratgeber zu dem Thema herausgibt. Was Sie selbst tun können, ist trotzdem entscheidend: Sie begrenzen den Befall, Sie verhindern die Ausbreitung in andere Räume, und Sie machen die Arbeit des Fachbetriebs möglich. Dieser Artikel beschreibt, woran Sie Bettwanzen erkennen, welche Maßnahmen zu Hause wirken, welche schaden, und wie die Bekämpfung abläuft.
Woran Sie einen Befall erkennen
Bettwanzen sind flache, flügellose Insekten, rötlich-braun, die Weibchen 4,5 bis 8,5 Millimeter groß, die Männchen etwas kleiner. Die ersten Jugendstadien sind nur einen Millimeter groß und hell, deshalb werden sie leicht übersehen. Die Tiere verstecken sich tagsüber in Gruppen und kommen nachts zum Blutsaugen. Verstecke sind das Bett selbst, besonders der Lattenrost, Schlafsofas, andere Möbel, Bilderrahmen, Lichtschalter, Scheuerleisten und Tapetenränder.
Sichere Zeichen sind lebende Tiere, schwarze Kotpunkte in und um die Verstecke und die Häutungshüllen, die die Tiere bei jeder der fünf Häutungen hinterlassen. Winzige Blutflecken auf der Bettwäsche kommen vor. Bei starkem Befall riecht der Raum süßlich nach Bittermandel. Stiche allein sind kein Nachweis: Die Hautreaktion fällt von Mensch zu Mensch verschieden aus, oft kommt sie mit Verzögerung von bis zu einer Woche, manche Menschen reagieren gar nicht. Typisch sind juckende, gerötete Pusteln in Reihe oder Gruppe, aber auch Mückenstiche sehen so aus. Stiche außerhalb der Mückensaison sind ein Hinweis, mehr nicht.
Ein Befall fällt meist erst nach Wochen auf, wenn sich die Tiere vermehrt haben. Wer in einem befallenen Zimmer übernachtet hat oder ein gebrauchtes Möbelstück hereingetragen hat, sucht deshalb über Wochen regelmäßig die Verstecke ab. Doppelseitiges Klebeband am Bettgestell oder Fallen unter den Bettfüßen helfen beim Nachweis.
Was Sie selbst tun können
Alle Maßnahmen zu Hause folgen einem Grundsatz des Umweltbundesamts: Bei keiner darf eine Bettwanze oder ein Ei überleben, und nichts darf unbehandelt den Raum verlassen. Die Zahlen hier stammen aus dem UBA-Ratgeber.
- Waschen: Kleidung und Bettwäsche bei mindestens 40 Grad, besser 60 Grad, im längsten Programm mit ausreichend Waschmittel. Oder im Wäschetrockner bei 60 Grad.
- Hitze: Hitzeunempfindliche Gegenstände dicht verpackt mindestens eine Stunde im Ofen oder in der Sauna bei mindestens 55 Grad, je nach Volumen länger. Das tötet Tiere und Eier.
- Kälte: Empfindliche Gegenstände wie Bücher, Schuhe oder Elektronik drei Tage bei minus 18 Grad in die Tiefkühltruhe, locker in Plastiktüten verpackt und sicher verschlossen.
- Staubsauger: Frei laufende Tiere einsaugen oder zerdrücken. Beutel oder Auffangbehälter danach fest in einer Tüte verschließen, einfrieren, dann wieder verwenden.
- Klebeband: Eier kleben an Unterlagen. Starkes Klebeband löst sie ab, das Klebeband wird danach ebenfalls eingefroren.
- Nichts umräumen: Keine Gegenstände aus dem befallenen Raum in andere Räume bringen. Sonst wandert der Befall mit.
- Nichts auf die Straße: Befallene Möbel nie unbehandelt zum Sperrmüll stellen. Sie lösen beim nächsten Haushalt einen neuen Befall aus. Stark befallene Dinge werden nach der Behandlung in Folie verpackt entsorgt.
Fallen unter den Bettfüßen
Kleine Schalen mit glatter Innenwand, in die die Bettfüße gestellt werden, fangen Tiere, die nachts zum Bett laufen oder es verlassen. Sie sind ein Frühwarnsystem und eine Erfolgskontrolle nach der Bekämpfung, keine Bekämpfung. Damit sie funktionieren, steht das Bett frei von der Wand, und keine Decke, kein Laken und kein Kabel berührt den Boden. Wer die Schalen leert, friert den Inhalt ein oder zerdrückt die Tiere, bevor sie entkommen.
Matratzen-Encasement
Ein Encasement ist ein Bezug, der die ganze Matratze dicht umschließt, mit einem feinen Reißverschluss, durch den auch die Jugendstadien nicht passen. Wanzen in der Matratze sind damit eingesperrt und verhungern, neue kommen nicht hinein. Weil Bettwanzen laut Umweltbundesamt über mehrere Monate hungern können, bleibt der Bezug deutlich länger als ein halbes Jahr geschlossen, als Richtwert ein Jahr. Dasselbe gibt es für Lattenrost und Kissen. Der Bezug erspart oft den Neukauf der Matratze. Er ersetzt die Bekämpfung nicht, weil die Tiere auch im Bettgestell, hinter Leisten und in Möbeln sitzen.
Was nicht hilft oder schadet
Das Umweltbundesamt rät dringend von frei verkäuflichen Produkten aus dem Internet ab. Sprays, Pulver und Nebel aus dem Handel erreichen die Verstecke nicht, scheuchen die Tiere aber auf. Sie verteilen sich in Nachbarräume und Nachbarwohnungen, und der Befall wird größer statt kleiner. Dazu kommt, dass Bettwanzen in vielen Ländern gegen die üblichen Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethroide resistent geworden sind. Falsch angewendete Insektizide im Schlafzimmer gefährden außerdem Ihre Gesundheit.
Auch ein mehrwöchiges Verlassen der Wohnung bringt nichts. Bettwanzen überstehen Hungerperioden von mehreren Monaten und warten. In der Zwischenzeit wandern sie unter Umständen in bewohnte Nachbarwohnungen ab. Hausmittel wie Kieselgur aus dem Baumarkt, ätherische Öle oder Backpulver lösen das Problem ebenso wenig. Kieselgur setzen Fachbetriebe in Ritzen ein, als eine Maßnahme von vielen und mit Schutzausrüstung, nicht als Streumittel im ganzen Raum.
Warum der Fachbetrieb meist nötig ist
Eine Bettwanzenbekämpfung beginnt mit der Diagnose. Ein seriöser Betrieb behandelt erst, wenn Tiere, Kotspuren oder Häutungshüllen nachgewiesen sind, und sucht die Ursache. Oft liegt sie in einer Nachbarwohnung, und ohne Behandlung dort wandern die Tiere immer wieder ein. Auch Schwalben-, Tauben- oder Fledermauswanzen aus Nestern am Haus sehen Bettwanzen ähnlich und verlangen Maßnahmen außen statt innen.
Dann werden alle erreichbaren Verstecke freigelegt, Möbel auseinandergebaut, Leisten abgenommen, Lichtschalter geöffnet. Die Tiere werden direkt behandelt, Eier mit Klebeband oder Staubsauger entfernt. Weil nie alle Verstecke zu finden sind, legt der Betrieb zusätzlich Insektizidbarrieren auf Laufwegen und in möglichen Verstecken aus. Diese Kontaktinsektizide mit Langzeitwirkung dürfen nach der Behandlung nicht weggewischt werden und gehören laut Umweltbundesamt ausschließlich in die Hand sachkundiger berufsmäßiger Anwender. Nach zwei bis drei Wochen folgt die Nachkontrolle, bei lebenden Tieren eine weitere Behandlung, so oft, bis kein Tier mehr gefunden wird. Mehrere Termine sind die Regel, nicht die Ausnahme.
Als Alternative gibt es die Wärmeentwesung. Der Raum wird für mindestens zwölf Stunden auf 50 bis 60 Grad gebracht, was je nach Raum 24 bis 48 Stunden dauert und bei richtiger Durchführung in einem Durchgang alle Tiere und Eier tötet. Hitzeempfindliche Dinge wie Spraydosen, Parfum und Medikamente kommen vorher heraus, Ritzen werden abgedichtet, damit die Tiere nicht in Nachbarräume fliehen. Einzelne Gegenstände wie Koffer oder Möbel lassen sich in geeigneten Geräten bei mindestens 55 Grad für mindestens 60 Minuten behandeln, empfindliche Dinge wie Elektronik auch per Begasung mit Stickstoff oder Kohlendioxid. Welche Methode passt, entscheidet der Betrieb nach Befall und Raum.
Mietwohnung und Hotel
In der Mietwohnung ist ein Bettwanzenbefall ein Mangel der Mietsache. Mieter zeigen ihn dem Vermieter unverzüglich an, so verlangt es § 536c BGB, und schützen sich damit vor dem Vorwurf, den Schaden vergrößert zu haben. Meist beauftragt der Vermieter oder die Hausverwaltung den Fachbetrieb, weil im Mehrfamilienhaus auch die Nachbarwohnungen geprüft werden müssen. Wer die Kosten am Ende trägt, hängt vom Einzelfall ab: bei einem Mangel am Gebäude der Vermieter, bei nachweislich eingeschlepptem Befall kann er sie vom Mieter zurückfordern. Streit darüber hilft niemandem, die Tiere vermehren sich währenddessen weiter. Wie Mietrecht bei Schädlingen allgemein funktioniert, erklärt der Artikel über Ratten in der Mietwohnung.
Im Hotel verlangen Sie bei Verdacht ein anderes Zimmer, am besten in einem anderen Gebäudeteil, und prüfen das Gepäck. Zu Hause packen Sie den Koffer in der Badewanne aus, dort sind fliehende Tiere zu sehen. Kleidung geht direkt in die Waschmaschine, der Koffer bei Verdacht in die Kälte oder zum Fachbetrieb zur Begasung. In den folgenden Wochen behalten Sie Stiche und Verstecke im Blick.
Keine Meldepflicht
Bettwanzen übertragen nach Stand des Umweltbundesamts keine Krankheitserreger. Das Gesundheitsamt verlangt keine Anzeige, weder von Privathaushalten noch von Hotels. Was es stattdessen braucht, steht im Artikel Bettwanzen: meldepflichtig oder nicht?. Wer den Befall zusätzlich im Radar meldet, ohne Adresse und ohne Betriebsnamen, hilft anderen, die Entwicklung in ihrer Stadt einzuschätzen. Die Lage je Stadt zeigt die Zählstände.
Vorbeugen
Auf Reisen suchen Sie das Zimmer vor der ersten Nacht ab, vor allem Matratze, Lattenrost und Kopfteil, und achten auf schwarze Kotpunkte an Steckdosen und Leisten. Der Koffer bleibt geschlossen und weit weg vom Bett, zum Beispiel auf dem Kofferständer oder im Bad. Zu Hause gilt: keine Möbel von der Straße, Gebrauchtwaren vor dem Kauf absuchen, befallene Gegenstände fest verpackt entsorgen oder behandeln. Ein Befall ist kein Zeichen von Unsauberkeit. Er ist ein Zeichen, dass irgendwo ein Tier mitgereist ist.
Was Sie jetzt tun können
- Verstecke absuchen: Lattenrost, Matratzennähte, Bettgestell, Leisten, Lichtschalter, Bilderrahmen. Nach Tieren, Kotpunkten und Häutungshüllen suchen.
- Nichts aus dem Raum tragen. Bett von der Wand rücken, Fallen unter die Füße.
- Wäsche heiß waschen oder trocknen, Empfindliches drei Tage einfrieren.
- Keine Sprays, keine Internetmittel, Wohnung nicht einfach verlassen.
- Mieter: Vermieter schriftlich informieren. Eigentümer: Fachbetrieb mit Nachweis und Nachkontrolle beauftragen.
- Nach der Behandlung die Vorgaben des Betriebs einhalten, Barrieren nicht wegwischen, Nachkontrolle wahrnehmen.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Rechtslage auf einen Blick
- Bettwanzen übertragen nach Stand des Umweltbundesamts keine Krankheitserreger und sind nicht meldepflichtig. Es gibt keine Verordnung, die Betroffene zur Anzeige beim Gesundheitsamt verpflichtet.
- § 536c BGB: Mieter zeigen dem Vermieter einen Mangel der Mietsache unverzüglich an. Ein Bettwanzenbefall ist ein solcher Mangel, die Meldung schützt den Mieter vor Folgeschäden.
- § 535 BGB: Der Vermieter hat die Mietsache in vertragsgemäßem Zustand zu erhalten. In der Praxis beauftragt meist er oder die Hausverwaltung den Fachbetrieb. Wer die Kosten am Ende trägt, hängt vom Einzelfall ab.
- Verordnung (EU) Nr. 528/2012: Insektizide gegen Bettwanzen sind Biozidprodukte. Kontaktinsektizide mit Langzeitwirkung gehören laut Umweltbundesamt nur in die Hand sachkundiger berufsmäßiger Anwender.
Häufige Fragen
Kann ich Bettwanzen selbst loswerden?
Einen bestehenden Befall nicht. Das Umweltbundesamt stellt klar, dass eine Bekämpfung in Eigenregie keine vollständige Beseitigung bringt und bei falscher Anwendung von Insektiziden sogar die Gesundheit gefährdet. Was Sie selbst tun, ist wichtig als Begleitung: Wäsche heiß waschen, Gegenstände einfrieren, Tiere absaugen, nichts aus dem Raum tragen.
Wie lange und bei welcher Temperatur muss ich einfrieren?
Laut Umweltbundesamt drei Tage bei minus 18 Grad. Die Gegenstände kommen locker verpackt in Plastiktüten, die sicher verschlossen sind, damit keine Tiere entkommen. Das eignet sich für Bücher, Schuhe, Elektronik ohne Akku und alles, was nicht gewaschen werden kann.
Reichen 40 Grad in der Waschmaschine?
Das Umweltbundesamt nennt mindestens 40 Grad im längsten Programm mit ausreichend Waschmittel, besser 60 Grad. Alternativ der Wäschetrockner bei 60 Grad. Hitzeunempfindliche Gegenstände können dicht verpackt mindestens eine Stunde bei mindestens 55 Grad im Ofen oder in der Sauna behandelt werden, das tötet auch die Eier.
Was bringen Fallen unter den Bettfüßen?
Sie sind ein Frühwarnsystem. Die Schalen fangen Tiere, die nachts zum Bett laufen oder es verlassen, und zeigen Ihnen und dem Fachbetrieb, ob noch Wanzen unterwegs sind. Beseitigen können sie den Befall nicht, weil viele Tiere im Bett selbst sitzen. Wer die Fallen nutzt, rückt das Bett von der Wand und lässt keine Decke den Boden berühren.
Hilft ein Matratzen-Encasement?
Ein dicht schließender Bezug mit feinem Reißverschluss sperrt Wanzen in der Matratze ein und hält neue fern. Weil Bettwanzen laut Umweltbundesamt mehrere Monate hungern können, bleibt der Bezug deutlich länger als ein halbes Jahr geschlossen, als Richtwert ein Jahr. Er ersetzt die Bekämpfung nicht, erspart aber oft den Neukauf der Matratze.
Muss ich Bettwanzen melden?
Nein. Bettwanzen sind nicht meldepflichtig, auch nicht im Hotel. Mieter informieren den Vermieter, weil der Befall ein Mangel der Wohnung ist und die Bekämpfung meist über Vermieter oder Hausverwaltung läuft. Hotelgäste verlangen ein anderes Zimmer und prüfen zu Hause das Gepäck. Mehr dazu im Artikel über die Meldepflicht bei Bettwanzen.
Sind Bettwanzen ein Zeichen für Unsauberkeit?
Nein. Das Umweltbundesamt nennt das einen weit verbreiteten Irrtum. Bettwanzen werden mit Gepäck, Gebrauchtmöbeln oder aus Nachbarwohnungen eingeschleppt und treten in den gepflegtesten Räumen auf. Aufgeräumte Räume haben nur einen Vorteil: Der Befall wird früher entdeckt und lässt sich leichter bekämpfen.
Quellen
- Umweltbundesamt: Bettwanzen. Erkennen, Vorbeugen, Bekämpfen (Ratgeber, Stand Oktober 2023, PDF)
- § 536c BGB (Anzeige von Mängeln durch den Mieter)
- § 535 BGB (Pflichten des Vermieters)
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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