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Stinkwanzen im Haus: Herbstgäste erkennen und ohne Gestank loswerden
Grüne Stinkwanze oder Marmorierte Baumwanze? Warum die Tiere ab Oktober an Fenstern sitzen, warum sie harmlos sind und wie Sie sie geruchsfrei entfernen.
Lesezeit etwa 8 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Stinkwanzen stechen nicht, beißen nicht und vermehren sich nicht im Haus. Sie suchen ab Ende September ein frostfreies Winterquartier, sobald die Temperaturen unter etwa 9 Grad fallen.
- Die häufigsten Gäste sind die heimische Grüne Stinkwanze, die sich im Herbst braun färbt, und die aus Asien eingeschleppte Marmorierte Baumwanze mit hellen Bändern an den Fühlern.
- Zerdrücken ist der Fehler: Erst dann kommt das Sekret aus den Stinkdrüsen. Ein Glas, ein Blatt Papier und die Tür nach draußen lösen das Problem in zehn Sekunden.
- Sprays bringen nichts, denn die Tiere kommen einzeln und von außen. Fliegengitter, Bürstendichtungen und abgedichtete Rollladenkästen halten sie ab September fern.
- Die Marmorierte Baumwanze ist ein Obst- und Gemüseschädling. Funde nimmt in Bayern die Landesanstalt für Landwirtschaft entgegen, in anderen Ländern der Pflanzenschutzdienst.
Es ist Mitte Oktober, der erste kalte Morgen, und am Fensterrahmen im Schlafzimmer sitzt eine braune, schildförmige Wanze. Am Abend sind es drei. Wer jetzt zur Küchenrolle greift und zudrückt, hat für den Rest der Woche den Geruch in der Nase. Dabei ist der Fall einfach: Stinkwanzen stechen nicht, fressen nichts in der Wohnung und vermehren sich dort nicht. Sie wollen nur überwintern. Dieser Artikel zeigt, welche Art bei Ihnen sitzt, warum sie ausgerechnet jetzt kommt, wie Sie sie geruchsfrei entfernen und was im nächsten September die Fenster dicht hält.
Welche Wanze sitzt am Fenster?
Vier Arten tauchen im Herbst regelmäßig an und in Häusern auf. Drei davon gehören zu den Baumwanzen, die vierte ist eine Randwanze. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt sie in ihrem Merkblatt zu schädigenden Wanzen im Gartenbau.
| Art | Größe | Erkennen | Herkunft |
|---|---|---|---|
| Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) | 12 bis 14 mm | im Sommer leuchtend grün, ab Herbst rotbraun bis braun, keine hellen Punkte auf dem Schild | heimisch, in ganz Deutschland häufig |
| Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys) | bis 17 mm | braun marmoriert, heller Ring an den Fühlern, bis zu fünf helle Flecken am Schildrand, kein Dorn an der Bauchseite | Ostasien, seit 2011 in Deutschland |
| Graue Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa) | bis 16 mm | der Marmorierten Baumwanze sehr ähnlich, aber mit Dorn an der Bauchunterseite und gepunktetem Flügelende | heimisch, eher Süden und Mitte |
| Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis) | knapp 20 mm | schlank, rotbraun, blattartig verdickte Hinterbeine, weißes Zickzackmuster, lauter Summton im Flug | USA, seit 2006 in Deutschland |
Die Grüne Stinkwanze ist der Klassiker: Im Sommer sitzt sie grün auf Brombeeren und Haselsträuchern, im Herbst wechselt sie nach Angaben des NABU temperaturbedingt die Farbe und wird braun. Viele halten das braune Tier am Fenster deshalb für eine andere Art. Die Marmorierte Baumwanze ist der Neuling. Sie wurde 2004 erstmals in Europa und 2011 in Konstanz am Bodensee gefunden, inzwischen ist sie über weite Teile Südwestdeutschlands verbreitet und taucht in Berlin, am Rhein und in Nordrhein-Westfalen auf. Ihre Verbreitung folgt keiner Front, sondern springt mit Fahrzeugen und Warenverkehr von Stadt zu Stadt.
Für die Bestimmung reicht ein Blick auf die Fühler und die Bauchseite. Setzen Sie das Tier in ein Glas, drehen Sie das Glas um und schauen Sie von unten: Ein Dorn zwischen den Beinen bedeutet Graue Gartenwanze. Fehlt der Dorn und tragen die Fühler einen hellen Ring, sitzt eine Marmorierte Baumwanze im Glas.
Warum sie ausgerechnet im Oktober kommen
Baumwanzen überwintern als erwachsene Tiere. Nach Angaben der Landesanstalt für Landwirtschaft lösen zwei Signale die Suche nach dem Winterquartier aus: Temperaturen unter 9 Grad und die kürzer werdenden Tage. Das passiert in den meisten Jahren ab Ende September. Die Tiere sammeln sich dann an sonnenbeschienenen Hauswänden, oft zu Dutzenden an Südfassaden, und drängen von dort in Ritzen, Rollladenkästen, Dachböden, Schuppen und eben in Wohnungen. In der freien Natur nehmen sie Baumrinde und Laubstreu.
Im Haus passiert danach wenig. Die Wanzen fallen in eine Winterruhe, sitzen wochenlang an derselben Stelle und fressen nichts. Erst wenn die Heizung läuft und es im Raum dauerhaft warm ist, werden einzelne Tiere wieder aktiv und laufen oder fliegen orientierungslos gegen Fenster und Lampen. Eine Vermehrung findet nicht statt, dafür fehlen Wirtspflanzen und die Jahreszeit. Im Frühjahr, sobald es draußen über 10 Grad warm wird, verlassen die Tiere ihr Quartier und beginnen wieder zu fressen.
Wie viele kommen, hängt vom Sommer ab. Nach warmen, trockenen Jahren gibt es nach NABU-Angaben sehr viele Grüne Stinkwanzen. Starke Fröste unter minus 10 Grad töten die Marmorierte Baumwanze ab, solche Winter werden aber seltener.
Harmlos, solange niemand zudrückt
Alle hier beschriebenen Wanzen sind nach Einschätzung der Landesanstalt für Landwirtschaft für Menschen ungefährlich. Sie haben einen Saugrüssel für Pflanzensäfte, keinen Stechapparat für Haut, und sie übertragen keine Krankheiten. Was sie unangenehm macht, ist das Sekret aus den Stinkdrüsen an der Brustunterseite. Es dient der Verteidigung und kommt nur heraus, wenn das Tier bedrängt oder zerquetscht wird. Dann haftet es an Fingern, Teppich oder Vorhang und riecht tagelang nach einer Mischung aus Koriander und verbranntem Gummi.
Der Geruch ist also kein Zeichen für einen Befall, sondern für eine zerdrückte Wanze. Wer eine Stelle im Teppich riecht, aber kein Tier findet, sollte unter dem Teppichrand und hinter der Fußleiste nachsehen.
Entfernen in zehn Sekunden, ohne Gestank
- Ein Glas oder eine Tasse über das Tier stülpen, ein Blatt Papier darunterschieben, Glas umdrehen.
- Zum Fenster oder zur Tür gehen und das Tier nach draußen entlassen. Bei Frost reicht ein Platz unter dem Dachvorsprung, dort überwintert es im Freien.
- Mehrere Tiere auf einmal: Staubsauger mit Beutel, danach den Beutel verschließen und in die Restmülltonne geben. Bei beutellosen Geräten riecht der Behälter anschließend, deshalb lieber das Glas.
- Nicht in die Toilette spülen und nicht zertreten. Beides setzt das Sekret frei.
Insektensprays sind für Stinkwanzen das falsche Werkzeug. Die Tiere kommen einzeln und von außen, es gibt kein Nest, das ein Spray erreichen könnte. Sprays sind außerdem Biozidprodukte, die seit dem 1. Januar 2025 nach § 10 der Chemikalien-Biozidrechts-Durchführungsverordnung nicht mehr in Selbstbedienung verkauft werden dürfen. Ein Abgabegespräch für zwei Wanzen am Fenster steht in keinem Verhältnis.
Vorbeugen: ab September zählt die Gebäudehülle
Wer jedes Jahr Dutzende Wanzen im Haus hat, wohnt meist an einer Südfassade mit undichten Rollladenkästen oder in der Nähe von Obstbäumen und Hecken. Die Abwehr ist Handwerk, kein Gift:
- Fliegengitter an Fenstern, die im Herbst gekippt werden, vor allem an Süd- und Westseiten. Spannrahmen lassen sich ohne Bohren einsetzen und im Frühjahr wieder entfernen. Welches Gitter zu welchem Fenster passt, steht im Artikel zu Fliegengittern für Fenster und Türen.
- Rollladenkästen abdichten. Die Revisionsklappe und die Gurtführung sind die klassischen Einstiege. Bürstendichtungen am Rollladenpanzer schließen die Lücke, durch die eine 15 mm große Wanze bequem passt.
- Türen nicht offen stehen lassen, vor allem abends bei Licht. Die Landesanstalt für Landwirtschaft nennt lange geöffnete Haustüren als typischen Einstieg, weil Wärme und Licht die Tiere anziehen.
- Fassade prüfen. Risse im Putz, offene Fugen am Fensterbrett und Lüftungsöffnungen ohne Gitter sind Winterquartiere. Ein Blick an einem sonnigen Oktobernachmittag zeigt, wo die Tiere sich sammeln.
- Hecken und Obstbäume direkt an der Hauswand liefern die Tiere frei Haus. Das ist kein Grund zum Roden, aber ein Grund, die Fenster dahinter zuerst mit Gittern zu versehen.
Was nicht hilft: Lavendelsäckchen, Essigschalen und Ultraschallstecker. Für keine dieser Methoden gibt es einen Wirkungsnachweis, und die Tiere reagieren auf Temperatur und Licht, nicht auf Düfte.
Garten und Obst: wann es wirklich ein Schaden ist
Im Garten saugen die Wanzen an Früchten und Trieben. Die Grüne Stinkwanze sitzt an Himbeeren, Brombeeren, Äpfeln und Birnen, und ihr Speichel gibt den Früchten einen Geschmack, den der NABU höflich als unbeliebt beschreibt. Ein wirtschaftlich relevanter Schaden entsteht im Hausgarten nach Angaben der Landesanstalt nur selten.
Anders die Marmorierte Baumwanze. Sie lebt auf über 300 Wirtspflanzen, darunter Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Tomate und Paprika. Saugstellen werden zu dunklen, eingefallenen Flecken, junge Früchte verkrüppeln, bei Tomaten und Paprika entstehen schwammige Aufhellungen. Im Erwerbsobstbau ist die Art ein ernsthaftes Problem, im Kleingarten ein lästiges. Die Landesanstalt nennt engmaschige Insektenschutznetze über empfindlichen Kulturen als wirksamsten Schutz, allerdings nur, wenn sie vor dem Zuflug im Frühjahr liegen. Für Privatgärten nennt die Landesanstalt kein Pflanzenschutzmittel, sondern Netze.
Melden: die Marmorierte Baumwanze interessiert die Pflanzenschutzdienste
Für Bürger gibt es keine Meldepflicht. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bittet jedoch ausdrücklich um Fundmeldungen der Marmorierten Baumwanze, um die Ausbreitung zu dokumentieren: ein Foto von Ober- und Unterseite mit Fundort per E-Mail an die Adresse Wanzen@LfL.bayern.de, oder das Tier in einer Streichholzschachtel per Post an das Institut für Pflanzenschutz in Freising. In anderen Bundesländern nimmt der Pflanzenschutzdienst des Landes Hinweise entgegen, in Nordrhein-Westfalen ist das die Landwirtschaftskammer.
Zum Zeitpunkt dieses Artikels zählt das Radar Wanzen nicht als eigene Art. Wann welche Herbstgäste typischerweise auftauchen, zeigt der Schädlingskalender. Und wer im Frühjahr kleine braune Käfer statt Wanzen findet, sollte den Artikel über Teppichkäfer und Pelzkäfer lesen, denn die werden gern verwechselt.
Häufige Fragen
Sind Stinkwanzen gefährlich oder giftig?
Nein. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft stuft alle in Deutschland verbreiteten Baumwanzen als ungefährlich für Menschen ein. Sie stechen nicht, beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Das übel riechende Sekret geben sie nur zur Verteidigung ab, also wenn sie gequetscht oder bedrängt werden.
Warum stinkt es, nachdem ich eine Wanze zerdrückt habe?
Baumwanzen haben Stinkdrüsen an der Brustunterseite. Beim Zerdrücken tritt das Sekret aus und haftet an Teppich, Vorhang oder Haut. Der Geruch hält sich dort tagelang. Die Stelle mit lauwarmem Wasser und etwas Spülmittel abwaschen, Textilien in die Wäsche geben. Beim nächsten Mal das Tier mit einem Glas fangen statt es zu zerdrücken.
Vermehren sich Stinkwanzen in der Wohnung?
Nein. Die Tiere legen ihre Eier im Frühjahr und Sommer auf Blätter im Freien. Im Haus überwintern nur erwachsene Wanzen, die sich bis zum Frühjahr kaum bewegen. Sobald es draußen wieder über 10 Grad warm ist, verlassen sie das Quartier von allein. Ein Befall im eigentlichen Sinn entsteht in Wohnräumen nicht.
Woran erkenne ich die Marmorierte Baumwanze?
An den Fühlern: Zwischen dem vorletzten und dem letzten Glied sitzt ein heller Ring. Dazu kommen bis zu fünf helle Flecken am Rand des Rückenschilds und ein dunkel gestreiftes, durchsichtiges Flügelende. Die sehr ähnliche heimische Graue Gartenwanze trägt einen Dorn an der Bauchseite und hat ein gepunktetes Flügelende.
Hilft ein Insektenspray gegen Stinkwanzen?
Es lohnt nicht. Die Wanzen kommen einzeln von außen und sitzen meist an Fenstern oder in Rollladenkästen. Ein Spray tötet höchstens das eine Tier, das Sie ohnehin sehen, belastet aber die Raumluft. Insektensprays sind Biozidprodukte und dürfen seit 2025 nur noch nach einem Abgabegespräch verkauft werden. Glas und Papier sind schneller und sauberer.
Muss ich Stinkwanzen melden?
Für Privathaushalte gibt es keine Meldepflicht. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft bittet aber um Fundmeldungen der Marmorierten Baumwanze mit Foto von Ober- und Unterseite per E-Mail, weil sie die Ausbreitung dieses Obstschädlings dokumentiert. In anderen Bundesländern ist der Pflanzenschutzdienst des Landes die Stelle.
Quellen
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Neue Schadwanzen auf dem Vormarsch (Marmorierte Baumwanze, Meldeaufruf)
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Merkblatt Schädigende Wanzen im Gartenbau (PDF)
- NABU: Die Grüne Stinkwanze
- Pflanzenschutzamt Berlin: Wanzen und Marienkäfer als Lästlinge, Januar 2025 (PDF)
- § 10 Chemikalien-Biozidrechts-Durchführungsverordnung (Selbstbedienungsverbot)
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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