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Fliegende Ameisen im Haus: Hochzeitsflug oder Nest im Gebäude?
Fliegende Ameisen sind Geschlechtstiere auf dem Hochzeitsflug. Von draußen harmlos, aus Wand, Boden oder Dämmung ein Zeichen für ein Nest im Haus.
Lesezeit etwa 8 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Fliegende Ameisen sind keine eigene Art, sondern die geflügelten Männchen und Jungköniginnen gewöhnlicher Ameisen auf dem Hochzeitsflug. Bei der Schwarzen Wegameise liegt die Schwärmzeit im Juli und August.
- Entscheidend ist die Richtung: Kommen die Tiere durch das offene Fenster herein, ist es ein Schwarm von draußen. Kommen sie aus Fugen, Steckdosen, Fußleisten oder der Dämmung, sitzt das Nest im Gebäude.
- Ein Nest im Haus gehört meist zu holzbewohnenden Arten wie Braune Wegameise, Glänzendschwarze Holzameise oder Rossameise. Sie nisten in feuchtem, rissigem Holz, in Dämmstoff und Styropor.
- Gegen den Schwarm von draußen helfen Fliegengitter und der Staubsauger. Ein Nest im Gebäude braucht einen Fachbetrieb, der die Art bestimmt und das Nest findet, nicht ein Spray.
- Termiten spielen in deutschen Wohnhäusern praktisch keine Rolle. Was im Sommer geflügelt aus der Wand kommt, sind Ameisen.
Fliegende Ameisen sind keine eigene Art. Es sind die geflügelten Männchen und Jungköniginnen ganz gewöhnlicher Ameisen, die an einem warmen Sommertag zum Hochzeitsflug aufbrechen. Bei der Schwarzen Wegameise, der häufigsten Art in Gärten und an Häusern, liegt diese Schwärmzeit nach Angaben des Umweltbundesamts im Juli und August. Ob die Tiere in Ihrem Haus ein Problem sind, entscheidet eine einzige Beobachtung: Kommen sie von draußen herein, oder kommen sie aus der Wand? Das Erste ist ein Naturschauspiel, das in Stunden vorbei ist. Das Zweite bedeutet ein Nest im Gebäude, und dann lohnt es sich, genau hinzusehen.
Was beim Hochzeitsflug passiert
Eine Ameisenkolonie zieht einmal im Jahr Geschlechtstiere heran: Weibchen, die zu Königinnen werden können, und Männchen. Beide haben Flügel und sind deutlich größer als die Arbeiterinnen, die bei der Schwarzen Wegameise drei bis fünf Millimeter messen. An einem warmen, windstillen Tag, oft nach einem Regen, verlassen die Geflügelten aller Nester einer Gegend fast gleichzeitig ihre Nester. Die Paarung findet in der Luft statt. Die Männchen sterben kurz danach. Die begatteten Weibchen landen, streifen die Flügel ab und suchen einen Platz für ein neues Nest.
Deshalb sehen Sie die Tiere meist nur einen Nachmittag lang, dann liegen überall abgeworfene Flügel. Deshalb erscheinen sie in Massen: Der gleichzeitige Start schützt sie vor Vögeln und anderen Fressfeinden. Und deshalb fliegen sie ins Haus: Licht, Wärme und offene Fenster ziehen sie an, und eine Jungkönigin, die auf der Suche nach einem Nistplatz durch ein Kippfenster kommt, ist noch keine Kolonie.
Schwarm von draußen: so erkennen Sie ihn
Der harmlose Fall hat klare Merkmale:
- Die Tiere erscheinen plötzlich an einem Nachmittag oder Abend, bei Hitze oder nach Gewitter.
- Sie sammeln sich an Fenstern, Lampen und hellen Wänden, also dort, wo Licht ist.
- Draußen sind ebenfalls Schwärme zu sehen, auf der Terrasse, über dem Rasen, an der Hauswand.
- Am nächsten Tag ist es vorbei, zurück bleiben Flügel auf Fensterbänken.
Dann reichen drei Handgriffe: Fenster und Türen schließen, Licht aus, Tiere aufsaugen oder nach draußen kehren. Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren verhindern den Einflug im nächsten Jahr. Mehr muss nicht passieren, auch kein Spray. Die Kolonie, aus der der Schwarm stammt, sitzt im Garten oder unter den Terrassenplatten. Die Schwarze Wegameise legt ihre Nester nach Angaben des Umweltbundesamts nur im Außenbereich an, bevorzugt in sandigem Boden, oft unter Gehweg- und Terrassenplatten, erkennbar an kleinen Sandhäufchen an den Fugen.
Nest im Gebäude: die Warnzeichen
Der andere Fall sieht anders aus, und hier sollten Sie nicht aufräumen, sondern beobachten:
- Die geflügelten Tiere kommen aus einer Fuge, einer Steckdose, einem Riss im Putz, dem Spalt hinter der Fußleiste, dem Fensterrahmen oder aus dem Boden.
- Es wiederholt sich über mehrere Tage, oft zur selben Tageszeit.
- Draußen ist kein Schwarm zu sehen, oder er ist längst vorbei.
- Vorher oder nachher laufen Arbeiterinnen derselben Art an der Stelle entlang, vielleicht seit Monaten.
- Es finden sich kleine Häufchen aus Holzmehl, Dämmkrümeln oder Styroporkugeln.
Das Umweltbundesamt beschreibt genau diesen Ablauf: Ein Ameisennest in Baumaterialien wird als Befall oft erst bemerkt, wenn die geflügelten Geschlechtstiere es in großer Zahl zum Schwarmflug verlassen. Die Kolonie kann dann schon Jahre alt sein. Der Schwarm ist also nicht das Problem, sondern das erste sichtbare Zeichen eines Nests, das vorher niemand gesehen hat.
Welche Arten im Haus nisten
Die Schwarze Wegameise nistet draußen, auch wenn ihre Arbeiterinnen im Frühjahr Küchen durchqueren. Im Baukörper sitzen andere Arten. Das Umweltbundesamt nennt als holzzerstörende Arten in Deutschland die Zweifarbige Wegameise, die Braune Wegameise, die Rossameisen und die Glänzendschwarze Holzameise.
| Art | Größe Arbeiterinnen | Nest im Gebäude | Schwärmzeit |
|---|---|---|---|
| Schwarze Wegameise | 3 bis 5 mm | nein, nur im Freien unter Platten und im Boden | Juli bis August |
| Braune Wegameise | 2,5 bis 4 mm | ja, in rissigem Holz und Dämmung; Holz dient nur als Baumaterial | Ende Mai bis Anfang August |
| Glänzendschwarze Holzameise | 4 bis 6 mm, glänzend schwarz | ja, Kartonnest aus zerkautem Holz in Nadel- und Laubholz | Juni bis Juli |
| Rossameisen | deutlich größer als Wegameisen | gelegentlich im Gebälk, bevorzugt Balken aus Kiefer und Fichte, Gänge im Kernholz bei unversehrter Oberfläche | artabhängig, Frühsommer |
| Zweifarbige Wegameise | klein, zweifarbig | ja, auch in Mauerspalten und Hauswänden, liebt Wärme und Trockenheit | Sommer |
Wichtig für die Einordnung: Diese Arten greifen nach Angaben des Umweltbundesamts in der Regel kein intaktes Bauholz an. Sie suchen Holz, das schon durch Feuchtigkeit, Pilze oder andere Insekten geschwächt ist, oder sie nutzen Dämmstoffe und Styropor, die sich ähnlich bearbeiten lassen. Ein Ameisennest in der Wand ist deshalb oft ein Hinweis auf eine zweite Baustelle: eine undichte Stelle, einen feuchten Balken, eine Wärmebrücke. Wer nur die Ameisen bekämpft, behält die Ursache.
Der Blick auf das Tier: Ameise oder etwas anderes?
Viele Betroffene fürchten bei geflügelten Tieren aus der Wand Termiten. Für Deutschland ist diese Sorge unbegründet, Termiten spielen in Wohnhäusern hierzulande praktisch keine Rolle. Geflügelte Ameisen erkennen Sie an drei Merkmalen: Die Taille zwischen Brust und Hinterleib ist deutlich eingeschnürt, die Fühler sind gewinkelt, und die Vorderflügel sind größer als die Hinterflügel. Stechen können die heimischen Weg- und Holzameisen nicht, sie zwicken höchstens und geben Ameisensäure ab.
Wer die Art genau wissen will, fängt ein paar Tiere in einem Glas und fotografiert sie neben einem Lineal. Die Größe, die Farbe und die Austrittsstelle reichen einem Fachbetrieb meist für eine erste Einordnung. Das Umweltbundesamt rät, die Art vor jeder Maßnahme bestimmen zu lassen, um holzzerstörende oder invasive Arten auszuschließen. Wie sich die häufigen Arten im Haus unterscheiden, zeigen die Fachbetriebe in ihren Ratgebern, die unten als Quellen genannt sind.
Was Sie selbst tun können
Beim Schwarm von draußen ist die Liste kurz: Fenster zu, Licht aus, saugen, Fliegengitter für das nächste Jahr. Beim Verdacht auf ein Nest im Gebäude gilt eine andere Reihenfolge:
- Dokumentieren statt beseitigen. Austrittsstellen fotografieren, Datum und Uhrzeit notieren, einige Tiere in einem verschlossenen Glas aufheben.
- Nicht sprühen, nicht aufbohren. Insektenspray an der Austrittsstelle tötet ein paar Geflügelte und treibt die Kolonie tiefer in den Baukörper. Aufgestemmte Wände ohne Plan vergrößern den Schaden.
- Ursache suchen. Feuchte Stellen, Wasserflecken, undichte Anschlüsse an Fenstern, Balkonen und Dächern, Spalten in der Fassadendämmung. Dort sitzt die Erklärung.
- Nahrung entziehen. Wenn Arbeiterinnen in der Küche laufen: Vorräte verschließen, Tiernäpfe nach dem Fressen wegräumen, Laufwege mit Essigreiniger wischen.
- Zugänge schließen. Risse und Fugen an Mauerwerk, Türen und Fenstern abdichten, wie das Umweltbundesamt es als wirksamste chemiefreie Maßnahme beschreibt. Was sich wie verschließen lässt, steht im Artikel über das Verschließen von Löchern am Haus.
- Mieter informieren den Vermieter. Tiere aus dem Baukörper sind Sache des Eigentümers, weil ein Bauschaden im Raum steht (§ 536c BGB). Eine kurze schriftliche Anzeige mit Fotos genügt.
Köderdosen gegen Ameisen sind Biozidprodukte. Gegen Wegameisen, die von außen in die Küche laufen, können sie wirken, weil die Arbeiterinnen den Köder ins Nest tragen. Gegen eine Kolonie in Holz oder Dämmung reichen sie meist nicht. Wer sie einsetzt, folgt dem Etikett, stellt sie außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren auf und entfernt sie nach dem Ende der Maßnahme.
Wann der Fachbetrieb muss
Ein Nest im Gebäude ist ein Fall für einen Fachbetrieb, aus zwei Gründen. Erstens muss die Art bestimmt werden, denn Braune Wegameise, Holzameise und Rossameise verlangen unterschiedliche Vorgehensweisen, und bei Rossameisen im Gebälk geht es um die Standsicherheit. Zweitens muss das Nest gefunden werden, und das liegt selten dort, wo die Tiere austreten. Das Umweltbundesamt beschreibt für holzschädigende Ameisen eine Bekämpfung mit Heißluft oder mit Kälte, also flüssigem Stickstoff, bei der auf biozidhaltige Holzschutzmittel ganz verzichtet werden kann. Sind tragende Bauteile befallen, werden die befallenen Hölzer ausgetauscht. Danach gehört die Ursache beseitigt, also die Feuchtigkeit oder die undichte Stelle, sonst zieht die nächste Königin im Folgejahr ein.
Wer geflügelte Ameisen aus dem Baukörper beobachtet, kann die Sichtung zusätzlich im Radar eintragen. Gerade in Siedlungen mit gleicher Bauweise zeigt die Karte mit Zählständen, ob Nachbarn dasselbe erleben, und der Schädlingskalender nennt die Monate, in denen die Schwärme üblich sind.
Rechtslage auf einen Blick
- Ameisen sind nicht meldepflichtig. Mieter informieren den Vermieter oder die Hausverwaltung, wenn Tiere aus dem Baukörper kommen (§ 536c BGB), weil dann ein Bauschaden im Raum steht.
- Köderdosen gegen Ameisen sind Biozidprodukte. Sie werden nach Etikett eingesetzt, außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren, und nach dem Ende der Maßnahme entfernt.
- Vor dem Einsatz von Bioziden empfiehlt das Umweltbundesamt, die Art bestimmen zu lassen, um holzzerstörende oder invasive Arten auszuschließen.
Häufige Fragen
Wann ist die Zeit der fliegenden Ameisen?
Je nach Art zwischen Ende Mai und August, an warmen, windstillen Tagen oft nach einem Regen. Die Schwarze Wegameise schwärmt nach Angaben des Umweltbundesamts im Juli und August, die Braune Wegameise von Ende Mai bis Anfang August, die Glänzendschwarze Holzameise im Juni und Juli. Der Flug einer Kolonie dauert meist nur Stunden bis wenige Tage.
Können fliegende Ameisen stechen oder beißen?
Die heimischen Wegameisen und Holzameisen haben keinen Stachel, sie können bei Bedrängnis zwicken und Ameisensäure abgeben, was auf der Haut kurz brennt. Für Menschen sind die Schwärme ungefährlich, aber lästig, weil sie zu hunderten erscheinen.
Was sind die Ursachen für fliegende Ameisen im Haus?
Zwei Möglichkeiten. Entweder ein Schwarm von draußen ist durch offene Fenster, Türen oder Licht angelockt hereingeflogen. Oder im Gebäude sitzt ein Nest, dessen Geschlechtstiere den einzigen Weg ins Freie durch die Wohnung nehmen. Im zweiten Fall sind die Tiere an Fugen, Fußleisten, Steckdosen, Fensterrahmen oder Dämmung zu sehen, oft über Tage.
Sind das vielleicht Termiten?
Sehr unwahrscheinlich. Termiten spielen in deutschen Wohnhäusern praktisch keine Rolle. Geflügelte Ameisen erkennen Sie an der deutlich eingeschnürten Taille und den gewinkelten Fühlern; bei Termiten ist der Körper gleichmäßig breit. Was im Sommer geflügelt aus der Wand kommt, sind in Deutschland Ameisen.
Was tun gegen fliegende Ameisen im Haus?
Beim Schwarm von draußen: Fenster schließen, Licht aus, Tiere aufsaugen, die Flügel fallen ohnehin nach dem Flug ab. Beim Nest im Haus: Austrittsstellen fotografieren und markieren, nichts aufbohren, Fachbetrieb mit Artbestimmung beauftragen. Sprays an der Austrittsstelle treiben die Kolonie nur tiefer in den Baukörper.
Hilft eine Köderdose gegen das Nest in der Wand?
Gegen Wegameisen, die von außen in die Küche laufen, kann ein Köder wirken, weil die Arbeiterinnen ihn ins Nest tragen. Gegen holzbewohnende Arten im Baukörper reicht das meist nicht, weil die Kolonie andere Nahrung nutzt und das Nest in Holz oder Dämmung sitzt. Dort arbeiten Fachbetriebe nach Angaben des Umweltbundesamts mit Heißluft oder Kälte, befallene tragende Hölzer werden ausgetauscht.
Quellen
- Umweltbundesamt: Schwarze Wegameise (Schädlingsratgeber)
- Umweltbundesamt: Holzzerstörende Ameisen
- § 536c BGB: Anzeigepflicht des Mieters bei Mängeln
Fachliche Quellen
- Ameisen im Haus: Arten erkennen und richtig bekämpfen (Ratgeber Knipp Neumann) (Knipp, Neumann & Co. GmbH, Bochum, Fachbetrieb)
- Ameisen im Haus: welche Art ist es? (Ratgeber Wagenschwanz) (S. Wagenschwanz GmbH, Hagen, Fachbetrieb)
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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