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Hausstaubmilben im Bett: Encasing, 60 Grad und Lüften statt Spray
Was gegen Hausstaubmilben hilft: Luftfeuchte senken, Bettzeug bei 60 Grad waschen, Encasing, HEPA-Sauger. Warum Milbensprays laut Umweltbundesamt nichts taugen.
Lesezeit etwa 8 Minuten · Stand 08.10.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Hausstaubmilben sind 0,1 bis 0,5 Millimeter klein, leben in Matratzen und Kissen und sind selbst harmlos. Das Problem ist ihr Kot, der Allergene enthält. Nach Angaben des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg reagieren 10 bis 15 Prozent der Menschen in Deutschland allergisch darauf.
- Milbenfrei wird keine Wohnung. Ziel ist, die Allergenmenge im Schlafzimmer zu senken: Luftfeuchte unter 60 Prozent, Schlafzimmer höchstens 18 Grad, Bett morgens lüften statt machen.
- Bettwäsche, Kissen und Decken bei mindestens 60 Grad waschen, Kuscheltiere 24 Stunden einfrieren und danach waschen. Encasings für Matratze, Kissen und Decke gelten laut Landesgesundheitsamt als wirksam.
- Milbensprays und antibakteriell ausgerüstete Matratzen bringen nach Einschätzung des Umweltbundesamts nichts, die Wirkstoffe waschen sich aus und belasten die Umwelt. Ultraschallgeräte tauchen in keiner behördlichen Empfehlung auf.
- Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch. Ob Schnupfen, Husten oder juckende Augen von Milben kommen, klärt ein Allergietest beim Facharzt.
Jeden Morgen eine verstopfte Nase, die im Laufe des Vormittags besser wird, dazu gerötete Augen und ab Oktober ein Husten, der nicht von einer Erkältung kommt: Das ist das Muster einer Hausstaubmilbenallergie. Die Milben selbst sind daran unschuldig, sie beißen nicht und übertragen keine Krankheiten. Es ist ihr Kot, der in Matratze und Kissen zerfällt und beim Aufschütteln in die Atemluft gelangt. Das Gute: Die Allergenmenge im Schlafzimmer lässt sich mit Wasser, Luft und Stoff deutlich senken, ganz ohne Chemie. Dieser Artikel ersetzt keinen Arztbesuch, aber er zeigt, was Betroffene zu Hause tun können und was sie sich sparen können.
Was im Bett lebt
Hausstaubmilben sind nach Angaben des Umweltbundesamts 0,1 bis 0,5 Millimeter klein und nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Von den rund 150 Arten weltweit leben in deutschen Haushalten vor allem zwei, Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae. Sie fressen Hautschuppen, Haare und Federn und brauchen dafür Feuchte und Wärme. Beides liefert ein Bett jede Nacht: Ein Mensch schwitzt im Schlaf etwa 200 Milliliter Wasser aus, die Matratze speichert sie.
Die Zahlen sind eindrücklich. Auf einem frisch gereinigten Kopfkissen können nach Angaben des Umweltbundesamts noch bis zu 10.000 Milben sitzen. Eine milbenfreie Wohnung gibt es nicht, und für Menschen ohne Allergie ist das auch kein Problem. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg sagt es klar: Ohne Milbenallergie sind Vorbeugemaßnahmen nicht erforderlich.
Die Hauptvermehrungszeit liegt zwischen Mai und Oktober. Sobald die Heizung läuft und die Raumluft trocken wird, sterben viele Milben ab. Ihre Körper und ihr Kot zerfallen zu Staub, und genau deshalb sind die Beschwerden vieler Allergiker im Herbst und Winter am stärksten, obwohl die Milben gerade weniger werden.
Warum der Kot das Problem ist
Die Allergie richtet sich gegen Eiweißbestandteile im Milbenkot. Je höher die Konzentration in der Atemluft, desto stärker die Beschwerden: Schnupfen, Niesen, gerötete und juckende Augen, Husten, bei manchen Menschen Atemnot oder juckende Haut. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg schätzt, dass 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine Hausstaubmilbenallergie haben. In einer Untersuchung bei Viertklässlern im Winter 2013/14 war knapp jedes fünfte Kind sensibilisiert.
Weil Erkältungen, Pollen und Tierhaare ähnliche Symptome machen, rät das Umweltbundesamt, eine Milbenallergie durch einen Allergietest beim Facharzt bestätigen zu lassen, bevor man das Schlafzimmer umbaut. Wer den Test hat, kann gezielt anfangen.
Luftfeuchte: der größte Hebel
Milben bevorzugen nach Angaben des Umweltbundesamts feucht-warmes Klima in wenig belüfteten Räumen. Bei Trockenheit bilden sie Dauerstadien, vermehren sich aber nicht. Das Umweltamt Münster nennt als Ziel eine Raumluftfeuchte unter 60 Prozent, weil Milben Werte über 70 Prozent bevorzugen. Ein Hygrometer auf dem Nachttisch zeigt, wo das eigene Schlafzimmer steht.
- Stoßlüften morgens und abends, Fenster weit auf, fünf Minuten, Tür zum Flur offen. Gekippte Fenster senken die Feuchte kaum.
- Schlafzimmer kühl halten, höchstens 18 Grad, so die Empfehlung des Umweltbundesamts.
- Bett nicht machen. Decke zurückschlagen, Fenster öffnen, die Matratze eine Stunde unbedeckt auskühlen und trocknen lassen. Erst dann die Decke zurücklegen.
- Kein Stauraum unter dem Bett. Die Matratze muss von allen Seiten Luft bekommen. Bettkästen sind Feuchtespeicher.
- Keine Grünpflanzen und keine Luftbefeuchter im Schlafzimmer, keine Wäsche dort trocknen.
Wer diese fünf Punkte umsetzt, verändert das Klima in der Matratze innerhalb weniger Wochen. Es kostet nichts außer Gewohnheit.
Waschen und Einfrieren
Die Waschmaschine ist das wirksamste Gerät gegen Milben, weil sie beides erledigt: Sie tötet die Tiere und spült den Kot aus. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Bettwäsche häufig zu wechseln und Oberbett sowie Kopfkissen mehrmals im Jahr bei mindestens 60 Grad mit einem pulverförmigen Vollwaschmittel zu waschen. Pulver enthält Bleichmittel, flüssige Waschmittel meist nicht. Decken und Kissen, die 60 Grad nicht vertragen, sind für Allergiker die falsche Wahl, synthetische Füllungen lassen sich heiß waschen.
Kuscheltiere sind das Kinderzimmer-Thema. Das Umweltbundesamt empfiehlt, sie etwa 24 Stunden einzufrieren. Das tötet die Milben, entfernt aber den Kot nicht, deshalb anschließend nach Etikett waschen. Wer das alle paar Wochen macht, hält das Lieblingstier im Bett erträglich.
Die Matratze selbst lässt sich nicht waschen. Nach etwa sieben Jahren hat sie laut Umweltbundesamt die höchste Allergendichte erreicht, nach sieben bis zehn Jahren ist ein Wechsel fällig. Dazwischen hilft nur Lüften und ein Encasing.
Encasing: so wirkt der Zwischenbezug
Ein Encasing ist ein dicht gewebter Bezug, der die Matratze komplett umschließt und unter der normalen Bettwäsche liegt. Milben und ihr Kot bleiben darin eingeschlossen, neue Milben kommen nicht hinein. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nennt allergendichte Bezüge für Matratzen und Bettdecken als wirksame Maßnahme und empfiehlt, sie regelmäßig bei mindestens 60 Grad zu waschen. Das Umweltbundesamt führt Encasings für Matratzen, Kissen und Bettdecken als zusätzliche Maßnahme bei nachgewiesener Allergie.
Drei Dinge entscheiden über den Nutzen. Erstens müssen alle drei Teile bezogen werden, Matratze, Kissen und Decke, sonst bleibt die Allergenquelle 30 Zentimeter neben der Nase. Zweitens gehört der Bezug in die 60-Grad-Wäsche, aber nicht zu oft, weil jede Wäsche die Dichtigkeit beansprucht; die Herstellerangabe ist hier maßgeblich. Drittens ersetzt der Bezug nicht das Lüften und Waschen, er ergänzt es. Wer ein Encasing kauft und die Fenster geschlossen lässt, merkt wenig. Bei ärztlich bestätigter Allergie kann ein Encasing verordnet werden; ob die Kasse die Kosten übernimmt, klärt man vor dem Kauf.
Staubsauger, Böden, Vorhänge
Der Rest des Schlafzimmers trägt weniger bei als das Bett, aber nicht nichts. Das Umweltbundesamt empfiehlt Allergikern Staubsauger mit HEPA-Filter der Klasse 13 oder 14, weil einfache Geräte feinen Kotstaub hinten wieder ausblasen. Teppichböden sollten nach Möglichkeit glatten Belägen weichen, sonst mehrmals pro Woche gesaugt werden. Glatte Böden feucht wischen. Schwere Gardinen, Langflorteppiche und Polstermöbel sind Staubfänger und gehören nicht ins Schlafzimmer eines Allergikers.
Ein Punkt, den viele nicht kennen: Kleidung nicht neben dem Bett ausziehen. Dabei wirbeln Hautschuppen auf, also Milbenfutter, direkt dort, wo die Milben leben. Spezielle Luftreiniger können die Allergenbelastung nach Angaben des Umweltbundesamts senken, sie sind aber die letzte Maßnahme, nicht die erste.
Was nicht hilft: Sprays, Ultraschall, antibakterielle Matratzen
Milbensprays versprechen die schnelle Lösung. Das Umweltbundesamt rät ausdrücklich davon ab, ebenso von antibakteriell oder milbenabweisend ausgerüsteten Matratzen und Textilien: Die Wirkstoffe waschen sich aus und belasten die Umwelt. Gegen das eigentliche Problem, den Kot, richten sie nichts aus, denn tote Milben hinterlassen ihren Kot genauso wie lebende. Seit dem 1. Januar 2025 unterliegen solche Mittel als Biozide der Produktart 18 dem Selbstbedienungsverbot, der Verkauf setzt ein Abgabegespräch voraus.
Ultraschallgeräte gegen Milben tauchen in keiner Empfehlung des Umweltbundesamts, des Landesgesundheitsamts oder der städtischen Umweltämter auf. Wer sie kauft, zahlt für ein Versprechen ohne Beleg. Dasselbe gilt für Duftsprays mit Lavendel oder Teebaumöl: angenehm für die Nase, wirkungslos für die Matratze.
Grasmilben, Krätze, Vorratsmilben: was sonst juckt
Nicht jedes Jucken im Bett kommt von Hausstaubmilben. Die beißen nämlich nicht. Juckende Quaddeln an Knöcheln, Kniekehlen und Gürtellinie nach einem Nachmittag im Garten stammen von Grasmilbenlarven, die im Spätsommer vom Rasen auf die Haut wandern. Gangförmige Linien zwischen den Fingern und ein Juckreiz, der nachts quälend wird, sprechen für Krätzmilben, das gehört in die Hausarztpraxis. Vorratsmilben in Mehl und Trockenobst sind ein Küchenthema, nicht eines des Schlafzimmers; das Umweltamt Münster empfiehlt hier, befallene Vorräte zu entsorgen und die Luftfeuchte zu senken. Und wer morgens Stiche in Reihen am Arm findet, sollte an Bettwanzen denken, nicht an Milben.
Hausstaubmilben lassen sich nicht ausrotten, aber ihre Allergene lassen sich auf ein Maß drücken, mit dem die meisten Allergiker gut leben. Die Reihenfolge ist Lüften, Waschen, Encasing, Saugen. Alles andere ist Zubehör.
Rechtslage auf einen Blick
- Milbensprays und Antimilbenmittel sind Biozidprodukte. Insektizide und Akarizide der Produktart 18 dürfen seit dem 1. Januar 2025 nur noch nach einem Abgabegespräch verkauft werden (§ 10 Chemikalien-Biozidrechts-Durchführungsverordnung).
- Encasings können bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie ärztlich verordnet werden. Ob und was die Krankenkasse übernimmt, entscheidet die Kasse im Einzelfall.
Häufige Fragen
Wie merke ich, ob ich Hausstaubmilben im Bett habe?
Milben hat jedes Bett, sie sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Das Umweltbundesamt nennt bis zu 10.000 Milben auf einem frisch gereinigten Kopfkissen. Die Frage ist nicht, ob Milben da sind, sondern ob Sie auf ihren Kot reagieren. Typisch sind verstopfte Nase, Niesen und gerötete Augen morgens nach dem Aufwachen, oft stärker zu Beginn der Heizperiode. Sicherheit gibt nur ein Allergietest.
Bei wie viel Grad muss ich Bettwäsche gegen Milben waschen?
Bei mindestens 60 Grad mit einem pulverförmigen Vollwaschmittel, so die Empfehlung des Umweltbundesamts. Das tötet die Milben und wäscht den Kot aus. Bettwäsche wöchentlich wechseln, Oberbett und Kopfkissen mehrmals im Jahr waschen oder reinigen lassen. Was nur 40 Grad verträgt, erst 24 Stunden einfrieren, dann nach Etikett waschen.
Helfen Milbensprays?
Nein. Das Umweltbundesamt rät von Milbensprays und antibakteriell ausgerüsteten Matratzen und Textilien ab, weil sich die Wirkstoffe auswaschen und die Umwelt belasten. Gegen den Kot, der die Allergie auslöst, richtet ein Spray ohnehin nichts aus. Seit 2025 gibt es solche Mittel nur noch nach einem Abgabegespräch.
Was bringt ein Encasing wirklich?
Ein Encasing ist ein dichter Zwischenbezug für Matratze, Kissen und Decke, der Milben und Kot einschließt. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg stuft allergendichte Bezüge als wirksam ein. Wichtig ist, alle drei Teile zu beziehen, den Bezug regelmäßig bei mindestens 60 Grad zu waschen und die übrigen Maßnahmen beizubehalten. Beschwerdefrei wird man damit allein selten.
Wie oft sollte ich die Matratze wechseln?
Alle sieben bis zehn Jahre, so das Umweltbundesamt. Nach etwa sieben Jahren hat eine Matratze die höchste Allergendichte erreicht. Dazwischen hilft, die Matratze von allen Seiten belüftet zu halten: kein Bettkasten, kein Stauraum darunter, beim Lüften unbedeckt lassen.
Sind Grasmilben oder Krätzmilben dasselbe?
Nein. Hausstaubmilben beißen nicht. Juckende Quaddeln an Knöcheln und Gürtellinie im Spätsommer stammen meist von Grasmilbenlarven aus dem Rasen. Gangartige Linien zwischen den Fingern und nächtlicher Juckreiz sprechen für Krätzmilben, das ist ein Fall für die Hausarztpraxis, nicht für die Waschmaschine.
Quellen
- Umweltbundesamt: Hausstaubmilbe (Stand 07.11.2025)
- Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg: Umwelt und Allergien
- Stadt Münster: Ungebetene Gäste, Milben (Faltblatt Mai 2024, PDF)
- § 10 Chemikalien-Biozidrechts-Durchführungsverordnung
Zahlen und Rechtslage zuletzt geprüft am 08.10.2026. Keine Rechtsberatung: Bei Fragen zu Genehmigungen und Bußgeldern entscheidet die zuständige Behörde Ihrer Stadt.
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